Wenn es was zu lernen gibt, sind BonnVoice immer interessiert. Wenn sie im Anschluss noch auftreten dürfen, umso besser. Der a-cappella-Chor nutzt jede Gelegenheit, um sich mit anderen Chören oder Ensembles auszutauschen und Workshops bei den besten Sängerinnen und Sängern zu belegen. Am vergangenen Samstag haben sie nun mit dem Männer-Quintett Anders geprobt und dann zu einem Doppelkonzert in die Springmaus eingeladen, bei dem beide Formationen ihre Talente ausspielen konnten. Und zumindest zum Teil an ihre Grenzen gerieten.
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Über die Qualitäten von BonnVoice ist in den vergangenen Jahren schon viel geschrieben worden. Ihr Harmoniegesang ist erstklassig, ihre Dynamik in der Regel ebenfalls. Insbesondere bei großen Balladen können sie die großen Emotionen zum Klingen bringen; und wenn sie wollen, können sie – wie etwa bei Abbas „Fernando“ – durchaus komisch sein. Andererseits trauen sich die Sängerinnen und Sänger auch schon mal zu viel zu, vor allem wenn es um Soli geht. So auch an diesem Abend. Ob bei dem ansonsten herrlich groovenden „Geek and the Pink“ oder dem unsterblichen „Hallelujah“, immer wieder wagen sich die Solistinnen und Solisten in Höhen vor, in denen ihnen schlichtweg die Luft ausgeht und die Stimmen dünn werden – was mitunter noch nicht einmal nötig gewesen wäre, wenn man die Arrangements nur ein wenig angepasst hätte. Doch dann kommen wieder gefühlvolle Songs wie „Recover“ oder „River Of What’s Been“, und das Publikum schmilzt nur so dahin. Zu Recht.
Derweil sind Anders über jeden Zweifel erhaben. Die Jungs aus Freiburg sind allesamt exzellente Sänger und haben sowohl brillante Beatboxer (Johannes Jäck) als auch fantastische Rapper (Johannes Berning) in ihren Reihen. Vor allem letzteres ist alles andere als selbstverständlich: Umso euphorischer wird das Publikum nach dem an Culcha Candela erinnernden „Schau mir in die Augen“, bei dem jede Zeile perfekt sitzt. So geht Groove. Für Begeisterung sorgt aber aber auch das phänomenale „Meine KI“, das wie so einige andere Titel von dem im Mai kommenden neuen Album „So kurz davor“ stammt, sowie das Entscheidungsschwächen-Lied „Frag mich was Leichteres“. Dabei legen Anders wert darauf, alle ihre Stücke selbst zu schreiben, und erfreulicherweise gelingt es ihnen, nicht wie manch andere Formationen jede Nummer bis zum Rand mit Kalauern oder Klischees vollzustopfen. Gut, bei der Liebeserklärung an ihre Heimatstadt Freiburg tragen die Fünf ein bisschen dick auf, auf der anderen Seite setzen sie sich aber auch mit gesellschaftlichen Problemen auseinander oder sorgen einfach für etwas gute Laune, ganz ohne Peinlichkeiten oder bemühte Bilder. Besser kann man kreative a-cappella-Songs auf Deutsch derzeit nicht schreiben.





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