Brachialer Bluesrock voll auf die Zwölf, ebenso virtuos wie gnadenlos, das ist das Markenzeichen von Eric Sardinas. Der US-Amerikaner macht, wie es so schön heißt, keine Gefangenen: Wenn er mit seiner Resonatorgitarre (der Dobro) loslegt, wird es wild. So auch in der Harmonie, wo der 55-Jährige zuletzt ein umjubeltes Konzert gab und gut 100 Minuten lang in etwa ebenso viel Energie ausstrahlte wie ein Atomkraftwerk auf Maximalleistung. Das Ergebnis war vielleicht nicht immer wohlklingend und durchdacht, dafür aber ungeheuer kraftvoll. Sardinas ist nun mal ein Mann fürs Grobe, seine Musik ein Rohbau im wahrsten Sinne des Wortes. Das gefällt vielleicht nicht jedem. Doch der Sogwirkung dieser rohen Spielart des Blues kann sich niemand entziehen.
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In der Harmonie drehte Sardinas von der ersten Sekunde an auf. Seine kantige Stimme erinnerte zumindest an diesem Abend mitunter an den einstigen Van-Halen.-Frontmann Sammy Hagar und kam weitaus dreckiger daher als etwa auf seinen Alben, sein gnadenlos gutes Slide-Spiel dagegen an – eigentlich niemanden. Diese Facette von Sardinas’ Musik ist in ihrer extremen Ausprägung einzigartig, geradezu brutal in ihrer Umsetzung und erstaunlich wirksam in ihrer Wirkung. Das gelang in Bonn allerdings nur dank herausragender Unterstützung: Mario Dawson war am Schlagzeug eine Maschine, kraftvoll und einfallsreich, während Bassist Jason Langley unbeirrt dem Groove verpflichtet blieb, aber auch das ein oder andere Mal mit einem Solo glänzen durfte.
Stilistisch erwies sich Eric Sardinas als weitaus weniger facettenreich als Todd Sharpville, der nur wenige Tage zuvor in der Harmonie zu Gast war. Hundertprozentiger Hochdruck-Bluesrock, was anderes war an diesem Abend nicht zu hören, „Down to Whiskey“ und wieder zurück. Dabei hat Sardinas mehr zu bieten, wie er auf seinen bisherigen Alben immer wieder bewiesen hat. Andererseits war ihm das Bonner Publikum wahrscheinlich sogar überwiegend dankbar, da so die Ausgelassenheit im Saal kontinuierlich zunahm und sich bis zur Ekstase steigerte. Angesichts der Soli, die Sardinas ein ums andere Mal aus dem Ärmel schüttelte und die ihn als echten Slide-Virtuosen nur bestätigten, war das auch nachvollziehbar. Schade war hingegen, dass sich das Trio schon nach gerade einmal 70 Minuten zum ersten Mal verabschieden wollte. Gut, mit Zugaben wurden die anderthalb Stunden dann doch überschritten, ein bisschen mau war diese Knauserigkeit aber schon. Leider ist die vor allem unter US-amerikanischen Künstlern weit verbreitet. Dabei hätten ein schöner Slow-Blues wie „Miracle Mile“ oder die filigrane Würdigung „Muddy Waters“ – beides Stücke vom aktuellen Album „Midnight Junction“ – noch gut ins Programm gepasst. Vielleicht ja beim nächsten Mal. Denn dass Eric Sardinas gerne noch einmal nach Bonn kommen darf, darin ist sich das Publikum ohne Frage einig.








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