Frischer, jünger und gleichzeitig den alten Meistern verpflichtet: Diesen Spagat will die Klassische Philharmonie Bonn in Zukunft wagen. Nachdem Intendant Nils Liepe, selbst ein erfolgreicher Pianist, schon seinen Bruder Niklas für die künstlerische Projektentwicklung mit ins Boot geholt hatte, ist das Leitungsteam seit dieser Spielzeit durch den Einstieg des Violinisten Moritz Ter-Nedden als Orchesterdirektor vollständig. Jetzt gibt letzterer einen Einblick in die geplante Neuausrichtung – und die kann sich schon jetzt hören lassen.
Für Ter-Nedden ist der neue Posten mit einer Heimkehr verbunden: „Ich bin in Bad Godesberg aufgewachsen und kenne daher Bonn und seine Umgebung gut, ebenso wie die Eifel und natürlich das Ahrtal, wo wir in meiner Kindheit regelmäßig in der Therme waren oder die Umgebung erkundet haben. Insofern hat mich die Anfrage von Nils natürlich sowohl in beruflicher als auch in persönlicher Hinsicht gefreut.“ Zumal die Ideen der Liepe-Brüder und des 37-Jährigen von Beginn an viele Überschneidungen hatten. „Uns war von Anfang an klar, dass wir natürlich weiterhin auf erfahrene Kräfte zurückgreifen wollten, die der Klassischen Philharmonie Bonn schon seit Jahren treu sind, aber dass wir gleichzeitig auch junge Musikerinnen und Musiker hinzuziehen wollen, um aus dieser Mischung eine neue musikalische DNA entstehen zu lassen“, so Ter-Nedden. „Das ist etwas, was ich selbst total spannend finde. Außerdem komme ich aus der Kammermusik und schätze es sehr, wenn alle auf der Bühne selbstbestimmt spielen und die Musik mitgestalten, was bei einem klassischen Sinfonieorchester oft nicht möglich ist. Mit Nils und Niklas bin ich da auf einer Wellenlänge.“
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Was aber bedeutet das für die langjährigen Fans des Orchesters und der Reihe „Wiener Klassik“, die der Gründer der Klassischen Philharmonie Bonn, Heribert Beissel, 1988 ins Leben gerufen hat und
die vielerorts als Pseudonym für den Klangkörper genutzt wird? „Ich glaube, dass wir in dieser Hinsicht gar nicht so weit auseinanderliegen, wie man zunächst meinen könnte“, beruhigt Ter-Nedden.
„Natürlich wollen wir weiterhin Mozart spielen, Haydn und vor allem Beethoven, den wir in den kommenden Jahren in den Mittelpunkt unseres Repertoires stellen wollen. Das Repertoire wird unseren
Abonnenten sicherlich vertraut sein – aber wir kombinieren es ein bisschen anders.“ So wie jetzt beim Weihnachtskonzert, in dem barocke Werke auf skandinavische Romantik trafen? „Ganz genau. Wir
wollen Querverbindungen zwischen den Epochen aufzeigen. Außerdem soll die Klassische Philharmonie Bonn mittelfristig für jede Epoche einen eigenen Klang entwickeln. Im Barock heißt das zum
Beispiel, viel mit freien Saiten spielen und die Instrumente natürlich klingen lassen, während in der Romantik mehr mit Vibrato gearbeitet würde.“ Ein ambitionierter Plan. Und in der Mitte
Beethoven? „Ja, das bietet sich als Bonner Klangkörper an“, sagt Ter-Nedden. „Im Gegensatz zum Beethoven-Orchester sind wir ja ein Tour-Orchester und können somit noch einmal stärker als
Botschafter für Beethoven fungieren.“
Zuletzt hat die Klassische Philharmonie Bonn noch mit einem anderen Ansatz für Aufsehen gesorgt: Sie haben Musik mit zusätzlichen Dimensionen erfahrbar gemacht. Bei einem Projekt traten Felix
Mendelssohn und Georg Friedrich Händel als virtuelle Avatare auf, beim Weihnachtsprogramm sorgte eine rhythmische Sportgymastin und mehrfache Weltmeisterin mit parfümierten Bändern für
olfaktorische Impulse. „Musik sollte man nach Möglichkeit mit allen Sinnen genießen können“, bekräftigt Ter-Nedden. „Das Konzert soll zu einem Erlebnis im wahrsten Sinne des Wortes werden,
natürlich ohne dass der Klang darunter leidet. Wir wollen uns nicht über irgendwelche Spielereien definieren, aber wenn wir gewisse zusätzliche Akzente setzen können, ob nun visuell oder durch
Düfte, kann das nur förderlich sein.“ Zumindest hätten die Rückmeldungen aus dem Publikum dies bestätigt. „Die überwiegende Mehrheit der Rückmeldungen, die wir erhalten haben, waren sehr positiv
und unglaublich wohlwollend“, freut sich Ter-Nedden. „Das zeigt, dass wir auf einem guten Weg sind und wir auch in Zukunft solche Konzepte verfolgen können, sofern es sich musikalisch anbietet.“
Konkrete Ideen kann und will der Orchesterdirektor aber nicht verraten. „Wir befinden uns natürlich schon tief in den Planungen für die kommende Saison, aber noch ist nichts spruchreif. Ich kann
aber schon versprechen, dass unser nächstes Projekt, mit dem wir am 22. Februar 2026 wieder in dem wunderschönen Kursaal von Bad Neuenahr spielen, auch wieder vertraut und gleichzeitig besonders
wird. Wir verbinden nämlich unter dem Oberthema Italien den Russen Pjotr Tschaikowsky und den Österreicher Hugo Wolf mit Giovanni Benedetto Platti, Antonio Vivaldi und Giacomo Puccini.“ Klingt
schon mal spannend.
Termine in der Region
15. Februar 2026, 18 Uhr, Maritim: Eine italienische Nachtmusik – Florenz im Laternenlicht
22. Februar, 17 Uhr, Kurhaus-Saal Bad Neuenahr-Ahrweiler: Eine italienische Nachtmusik – Florenz im Laternenlicht
22. März 2026, 18 Uhr, Maritim: Lyrische Welten
5. April, 18 Uhr, Maritim: Ein Rausch der Sinne



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