„2:22 – eine Geistergeschichte“: Brillanter Spuk

Geister? Gibt’s nicht. Oder? Nein, auf keinen Fall. Wissenschaftlich ist das unmöglich, da ist sich Sam sicher. Und der muss es ja wissen. Immerhin ist der Hobby-Astronom ein leidenschaftlicher Skeptiker, der die Logik über alles stellt. Doch nun, gerade erst von einem Ausflug zurückgekehrt, muss er sich in der eigenen Familie mit einer Spukgeschichte herumschlagen. Seine Frau Jenny hat nämlich in den vergangenen Tagen über das Babyfon Schritte im Kinderzimmer gehört, immer pünktlich um 2:22 Uhr. Um nicht für verrückt erklärt zu werden, bittet diese nun Sams gute Freundin Lauren und deren Partner Ben, bis spät in die Nacht zu bleiben und das unheimliche Geschehen zu bezeugen. Was zu einigen unvorhersehbaren Enthüllungen führt. Diese stehen im Mittelpunkt von Danny Robbins’ Psychokomödie „2:22“, deren deutschsprachige Erstaufführung jetzt im Kleinen Theater Bad Godesberg tosenden Applaus erhielt.

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QUATSCH KEINE OPER präsentiert



Im Grunde ist die Handlung nichts weiter als ein Horrorfilm-Klischee, ein immer wieder verwendeter narrativer Kern, der kaum Neues entstehen lassen kann. Doch Robbins gelingt genau das: Mit schlagfertigen und intelligenten Dialogen, herrlichen Charakterzeichnungen und einigen überraschenden Wendungen hat der britische Autor ein tiefgreifendes Stück geschaffen, das die Ratio gegen das Mystische in den Ring steigen lässt und zugleich als herrlich dunkle Komödie für jede Menge Gelächter sorgt – kein Wunder also, dass „2:22“ gleich drei Mal für den renommierten Laurence Olivier Award nomminiert wurde, unter anderem als bestes neues Stück. Die Messlatte lag daher hoch, doch die Inszenierung von Frank Oppermann, der zunächst ziemlich um das Stück kämpfen musste und dieses letztlich nur wenige Tage vor der Komödie am Kurfürstendamm in Berlin auf die Bühne bringen konnte, wurde dem mehr als gerecht. Das liegt nicht zuletzt an dem exzellenten vierköpfigen Ensemble, das schon mit Alfred Hitchcocks „39 Stufen“ einen großen Erfolg feiern konnte und bei „2:22“ auf höchstem Niveau spielt. Anna Möbus brilliert als gestresste Mutter Jenny zwischen Wahn und Sinn, die aus Angst um ihr Kind immer panischer und psychotischer wird; Marie-Therese Jestädt überzeugt derweil als herrlich schnodderige Lauren mit exzellentem Gespür für bissige Kommentare; und Felix Hoefner mimt den ans Übernatürliche glaubenden Ben mit dem genau richtigen Maß an Überzeichnung. Die stärkste Leistung liefert allerdings Yannick Hehlgans ab, dessen Sam arrogant und charmant zugleich ist, witzig und gnadenlos, mit brillantem Verstand und mangelnder Empathie (diese Rolle hat in London übrigens unter anderem Tom Felton gespielt, der als Draco Malfoy in den Harry-Potter-Filmen berühmt wurde). 

Vor allem die Dynamik zwischen Jenny und Sam treiben die Handlung kontinuierlich voran. Sie will glauben, dass da etwas im Jenseits ist, nur um nicht als verrückt zu gelten, während er sich als Stimme der Vernunft sieht, weil alles andere das eigene Weltbild zerschmettern würde. Immer stärker kochen die Emotionen über, zumal sich Sam als intellektuell überlegen sieht und alle anderen nach und nach vor den Kopf stößt. Gleichzeitig wirft er allerlei kluge Fragen auf (Warum spukt es zum Beispiel immer in alten Gebäuden, aber nie in modernen Krankenhäusern, wo doch die meisten Menschen sterben? Und warum tun sich Geister so schwer damit, sich mitzuteilen, während sie doch angeblich durchaus Geräusche machen oder Gegenstände bewegen können?), die in der Runde diskutiert werden. Das Publikum im Kleinen Theater wird in selbige geradezu hineingesogen, zumal die intime Nähe zu der geschickt gestalteten Bühne alles noch unmittelbarer wirken lässt. Nur die penetranten Signaltöne, die den schaurigen Impetus immer wieder verdeutlichen wollen, hätten nicht sein müssen. Ansonsten erzielt das Stück aber die gewünschte Wirkung, lässt ebenso schaudern wie lachen und ist damit mindestens einen Besuch wert. Nur sollte man das Ende möglichst nicht vorwegnehmen. Dann ist es nämlich am Schönsten. 

Termine

4. bis 11.2. // 13.2. // 17. bis 25.2. jeweils 19.30 Uhr. ZUSÄTZLICH: am 8.2. auch 15.30 Uhr, am 22.2. nur um 15.30 Uhr. Weitere Informationen und Tickets unter www.kleinestheater.eu

 

 

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