Musiker sind auf Tour ja so einiges gewohnt. Immer kann etwas schiefgehen, ob nun die Technik spinnt oder die Gesundheit, der Reiseplan oder der Auftritt selbst. Doch im Vorfeld des Konzerts von Todd Sharpville in der Harmonie hat Murphys Gesetz wirklich ganze Arbeit geleistet: Der Keyboarder fiel kurzfristig krankheitsbedingt aus, ein Ersatz war nicht zu bekommen, dazu Stau auf der Autobahn und ein überschaubares Publikum. Schön ist das nicht, zumal wirklich niemand Schuld an dieser Pechsträhne hat. Außer vielleicht jenen, die Sharpville noch immer nicht auf dem Radar haben, obwohl der Bruder des 4. Viscounts St. Davids schon seit mehr als 30 Jahren in der britischen Blues-Szene (und darüber hinaus) für Aufsehen sorgt. Und das durchaus zu Recht, wie der Auftritt in der Harmonie beweist.
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Dabei hört man mitunter, dass die Rückschläge des Tages ihre Spuren hinterlassen haben. Manchmal fehlt der Drive nach vorne, die Energie im Spiel, die aus einem gewöhnlichen ein besonderes Stück macht und die vor allem für Balladen unerlässlich ist. Andererseits fehlt ja auch ein Bandkollege – doch was das verbleibende Trio letztlich abliefert, ist aller Ehren wert. Vor allem Drummer Steve Rushton drückt immer wieder von Neuem aufs Gas und gibt Bassist Marcus Porter sowie Sharpville einen ordentlichen Schub, den vor allem letzterer immer wieder für exzellente Soli nutzt. Kein Wunder, dass er schon mit Robbie Williams, Van Morrison, Peter Green und ex-Rolling-Stones-Gitarrist Mick Taylor die Bühne geteilt hat, um nur ein paar Namen zu nennen. Auch für Eric Clapton durfte er schon eröffnen. Eine illustre Runde, der Sharpville trotz allem gerecht zu werden versucht. Mit Erfolg.
Dennoch: Sharpville kann eigentlich mehr. 2023 hat er im Rahmen des WDR Crossroads-Festivals in der Harmonie ein dermaßen elektrisierendes Konzert gegeben, dass er Maßstäbe setzte, an denen er sich nun messen lassen muss. Und im Vergleich bringt er diesmal nur rund 75 Prozent dessen auf die Bühne. Was immer noch besser ist als das Spiel vieler anderer Bluesrock-Virtuosen und natürlich durch die reduzierte Besetzung erklärt werden kann, aber dennoch – da geht mehr. Viel mehr. Das Feuer in Sharpville kann deutlich heißer brennen, seine Finger können sehr viel flinker tanzen, seine Stimme viel mehr klagen. Bleibt nur zu hoffen, dass er das beim nächsten Mal wieder zeigen kann, wenn mal gerade nicht der Zufall gegen ihn ist. Für Blues-Liebhaber gibt es derweil schon am 5. Februar das nächste Highlight: Dann tritt mit Eric Sardinas ein weiterer Saiten-Virtuose in der Harmonie auf, der sich vor allem als vielseitiger Slide-Gitarrist in den USA einen Namen gemacht hat. Das Konzert sollte man sich nicht entgehen lassen.








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