Im Herzen ist Maxi Gstettenbauer immer noch ein Nerd. Einer, der ein bisschen seltsam ist, auch wenn seine Zeiten als Videospiel-Moderator inzwischen hinter ihm liegen. 20 Jahre ist das jetzt schon her, und natürlich ist der gebürtige Niederbayer und langjährige Wahlkölner seitdem gereift, hat Frau und Kind und redet nicht mehr nur über Pornos, Comics und Technik. Zumindest nicht nur. Und wenn, dann tatsächlich ziemlich unterhaltsam. Was schon an und für sich eine Leistung ist. Im Haus der Springmaus war Gstettenbauer mit seinem aktuellen Programm „Stabil“ zu Gast – und hat mit seiner Schlagfertigkeit und seinem Charme das Publikum nachhaltig begeistert.
Werbeanzeige
Dabei hätte es auch anders kommen können. Wenn schon ein Comedy-Abend mit der Warnung „könnte Hoden enthalten“ eröffnet wird, drängt sich fast unweigerlich das Bild eines drittklassigen Ingo-Appelt-Imitators auf, der verzweifelt versucht, unter der Grasnabe des Humors Diamanten zu finden, und nur Dreck ausbuddelt. Was für ein Fehlurteil! Und das, obwohl besagte Warnung sich letztlich bewahrheiten sollte. Denn natürlich liebt Maxi Gstettenbauer es wie so viele andere Comedians auch, immer wieder die Grenzen des guten Geschmacks auszuloten und mit der ein oder anderen Pointe zu provozieren. Dies verpackt er allerdings so nonchalant, dass das Niveau keinerlei Schaden nimmt. Und so irritiert es auch nicht, dass er mühelos einen großen Bogen schlagen kann vom Kinderschwimmkurs seiner Tochter bis hin zur Genese des Baumarkt-Superheldens Brettman und von Testikeln mit Auftrieb hin zu Cyberangriffen per Fax. Ja, das ergibt alles irgendwie Sinn, zumindest in dem doch recht eigenwilligen Universum des 37-Jährigen, der nach eigenen Angaben mitunter selbst nicht so ganz weiß, was er als nächstes sagen wird und sich mitunter darauf verlässt, das irgendetwas seinen „inneren Monk triggert“. Auch ein Nerd-Witz. Kann man verstehen, muss man aber nicht. Ist aber auch egal, so lange es Spaß macht. Und das tut es. zum Glück. „Ich habe ein Kind, das muss essen, also muss ich jeden Witz machen, der mir einfällt“, sagt Gstettenbauer. Ein Satz, den so auch Torsten Sträter hätte äußern können.
Tatsächlich spielt dieser eine nicht unerhebliche Rolle in „Stabil“. Und das nicht nur wegen seiner Batman-Leidenschaft. Vielmehr sind er und Maxi Gstettenbauer Leidensgenossen. Beide kämpfen mit Depressionen, beide haben eigenen Angaben zufolge zusätzlich noch ADHS – und beide sprechen sehr offen darüber. Immerhin belasten diese Erkrankungen sowohl hinter als auch auf der Bühne. „Ich habe Angst, dass die Comedy nicht mehr funktioniert, wenn ich Medikamente nehme“, sagt Gstettenbauer einmal, „weil dann hab ich ja keine Probleme mehr.“ Und die sind für die Kunst nun einmal essentiell (was nicht heißen soll, dass Gstettenbauer nicht andere Therapieformen annimmt – dafür ist das Thema doch zu ernst). Wie auch immer: Ein bisschen Wahn muss sein. Wie will man auch sonst eine Welt ertragen, die immer verrückter wird, mit Allmachtsfantasien aus dem Weißen Haus und vom Roten Platz, High-Performance-Daddys auf dem Klettergerüst und einer hemmungslosen digitalen Sphäre, bei der ein fehlerhaftes Update alles zum Absturz bringen kann. bis auf die Deutsche Bahn. Die arbeitet schließlich bis heute immer noch mit Windows 3.1. Kein Scherz. „Ich will mal sehen, wie die Russen uns hacken wollen, wenn sie uns die Viren faxen müssen.“
Im Grunde hat Maxi Gstettenbauer noch immer die Themen im Programm, mit denen er seine ersten Gehversuche auf den Kleinkunstbühnen der Republik gemacht hat. Gut, er hat sie ergänzt um diverse Familiengeschichten, aber inhaltlich geht es ansonsten kaum darüber hinaus. Aber er hat dank all seiner Erfahrung inzwischen eine Form gefunden, in der all das hervorragend funktioniert, frei von spätpubertärer Peinlichkeit. Seine Comedy hat das nicht mehr nötig. Dafür ist Gstettenbauer inzwischen einfach zu erfahren. Und zu lustig.





Kommentar schreiben