INTERVIEW Nino de Angelo: „Ich singe wie ein Gott“

Es ist noch gar nicht so lange her, da war Nino de Angelo ganz unten angekommen. Spielsucht, Drogenkonsum, Privatinsolvenz, private Probleme und der Nachweis der Autoimmunerkrankung ITP zogen den einst so erfolgreichen Schlagersänger in ein dunkles Loch. „Ich habe damals so in den Seilen gehangen, da hätte ich selbst keinen Euro auf mich gesetzt“, bekennt er. Doch seit einigen Jahren geht es wieder aufwärts, mit einer neuen Frau an seiner Seite und neuer Energie, die einige der erfolgreichsten CD-Produktionen seiner Karriere befeuert. Nein, am Ende ist Nino de Angelo längst nicht mehr. Auch nicht am Anfang. Sondern auf einem neuen Höhepunkt. 2026 steht nun eine große Open-Air-Tour an, bei der der 61-Jährige auch in die sanierte und neu eröffnete Beethovenhalle kommt.

Das Rheinland ist de Angelo alles andere als fremd. „Ich bin mit elf Jahren zusammen mit meiner Mutter nach Köln gezogen, nachdem meine Eltern sich getrennt haben“, erzählt er im Interview mit der Rhein-Zeitung. „Mit 15 habe ich damals die Schule abgebrochen, um Sänger zu werden, und natürlich habe ich zunächst in der Kölner Szene meine ersten Erfahrungen als Musiker gemacht. Insgesamt habe ich 37 Jahre in der Domstadt gelebt – das prägt.“ Daher ist es auch kein Wunder, dass ihm das Ahrtal vertraut ist. „Ich war vor allem regelmäßig im Kasino von Bad Neuenahr“, gesteht er. „Steht das nach der Flut überhaupt noch?“ Ja, inzwischen wieder. Immerhin. Das gefällt Nino. „Ich war aber auch oft in der Eifel, vor allem am Nürburgring. Das war alles meine Welt.“ Die irgendwann über ihm zusammenbrach. Er, der mit dem von Drafi Deutscher geschriebenen „Jenseits von Eden“ 1983 seinen größten Erfolg feierte und bis heute vor allem mit diesem Song in Verbindung gebracht wird, fiel ab den frühen 2000ern vor allem durch Skandale auf. Bis Corona kam. „Für mich war das die Rettung“, sagt de Angelo. „Ich musste mich in dieser Zeit irgendwie beschäftigen und habe mir zum ersten Mal seit 20 Jahren wieder ein Studio eingerichtet. Und auf einmal war der Knoten geplatzt.“

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Der neue Nino de Angelo, der 2021 mit „Gesegnet & Verflucht“ sein bislang erfolgreichstes Album veröffentlichte, klingt anders als früher, härter, rockiger, kantiger. „Das war eigentlich immer mein Traum“, sagt er. „Schon als ich in den 90ern mit Peter Maffay auf Tour war hat der mir dazu geraten, aber der Erfolg blieb leider aus. Fast 30 Jahre später hat es dann endlich geklappt, mit Stücken, die ich zum Teil schon seit damals in der Schublade liegen hatte.“ Unterstützt hat ihn dabei mit Chris Harms ein Produzent, der als Sänger der Dark-Metal-Band Lord of the Lost aus einer recht düsteren Ecke kommt. „Als Sony mich unter Vertrag nahm, habe ich darum gebeten, dass mir keiner reinredet und ich einfach mein Ding durchziehen kann“, sagt de Angelo. „Daran hat sich das Label auch gehalten. Dadurch habe ich erstmals spüren können, dass ich auch anders klingen kann.“

Inzwischen hat Nino de Angelo zwei weitere Platten nachgeschoben, die ebenfalls mit exzellenten Chart-Platzierungen aufwarten konnten. Das letzte Album, „Irgendwann im Leben“, geriet allerdings in die Schlagzeilen, als Fans eine auffällige Ähnlichkeit des Titelsongs mit Matthias Reims „Irgendwo da draußen“ feststellten. Was war da passiert? „Es handelt sich tatsächlich um das selbe Lied!“, gesteht de Angelo. „Ich hatte nur davon keine Ahnung, als ich die Nummer aufgenommen habe. Fakt ist, dass Chris Evans und Joachim Horn-Benges, die unter anderem auch ‘Jenseits von Eden’ schrieben, das Lied vor 30 Jahren für mich komponiert haben. Es gibt sogar noch eine Demo-Aufnahme von damals, die wir allerdings nie veröffentlicht haben.“ Als de Angelo dann für ‘Irgendwann im Leben’ im Studio stand, fiel mir diese Nummer wieder ein.“ Ich hab die beiden angerufen und gefragt, ob ich das Stück für mein neues Album verwenden könnte. Sie haben ihr OK gegeben, wahrscheinlich weil sie wussten, dass das ein Hit werden würde. Aber sie haben mir verschwiegen oder schlichtweg vergessen, dass sie das Stück einige Jahre zuvor Matthias angeboten hatten.“

Auf jeden Fall ist Nino de Angelo wieder da und fühlt sich extrem gut dabei. Das ist umso bemerkenswerter, als er zusätzlich zu ITP auch an der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) leidet. Wo nimmt er nur die Kraft her? „Das frage ich mich selbst manchmal“, gesteht er. „Letztlich ist es meine Leidenschaft für die Musik, die mich trägt, sowie die Euphorie, noch einmal die Kurve gekriegt zu haben. Ich habe eine tolle Frau an meiner Seite, starke Songs, treue Fans und ich stehe zwei Stunden auf der Bühne und singe wie ein Gott – das ist doch großartig.“ An ein Karriereende will de Angelo aus diesem Grund auch nicht nachdenken. „Ich habe zwar vor, meinen Lebensabend in Italien zu verbringen, aber so lange ich noch auf die Bühne kann, will ich das auch tun.“ Material hat er eigenen Angaben zufolge noch genug: Rund 400 unveröffentlichte Songs sollen noch auf Kassetten bei ihm zu Hause lagern. Da kann also noch was kommen.

Termin

20. Februar, 20 Uhr, Beethovenhalle Bonn


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