Seit zehn Jahren sind die Alten Bekannten die offizielle Nachfolgeband der Wise Guys, und eigentlich ist längst der Punkt überschritten, an dem dieses Erbe im Repertoire des a-cappella-Quintetts noch irgendeine größere Rolle spielt. Längst sind die alten Songs weitgehend in Richtung Zugabe gerutscht, erst recht nachdem im vergangenen Jahr mit „Mehr“ das insgesamt sechste Album der Alten Bekannten auf den Markt gekommen ist. Im Pantheon hat die Formation um Wise-Guys-Gründungsmitglied Dän Dickopf selbiges nun vorgestellt – und setzt auf neue Inhalte in altbekannter Form.
Schon immer haben die fünf Vokalisten alltägliche Probleme in pfiffige Texte verpackt, haben über das Trauma eines Lehrerkinds gesungen oder über den üblichen Ärger mit der Deutschen Bahn, und auch wenn längst nicht alle Titel den Schwung und den poetischen Witz von „Nicht mein Zirkus“ erreichen, sind doch alle überaus unterhaltsam. Auf „Mehr“ häufen sich jetzt allerdings Songs über die guten und die schlechten Seiten der Digitalisierung: Mal bejubelt Friedemann Petter das Regenradar, nur um etwas später an Sprachnachrichten zu verzweifeln und sich darüber zu wundern, dass angesichts von Wikipedia, Google und Co das gesammelte Wissen aus den Gehirnen der Menschen in die Cloud ausgelagert wird – letzteres trotz einer eingebauten Techno-Passage ein Lied zum Nachdenken, ebenso übrigens wie die unwillkürliche Transformation der Bürger in Spione, was angesichts des gläsernen Menschen des 21. Jahrhunderts leichter ist denn je. Ein bisschen Tiefgang darf schließlich auch mal sein, „1984“ lässt grüßen. Dennoch wirkt der Technik-Skeptizismus der Alten Bekannten mitunter ein bisschen antiquiert, zumal die Fünf an anderer Stelle gerne mal nostalgisch werden und so ganz nebenbei eine nostalgische Hymne auf Lego und Fanta trällern. Ob die dafür bezahlt werden?
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Im Pantheon kommt diese Art von Humor auf jeden Fall hervorragend an, und was die a-cappella-Kunst angeht, sind die Fünf auf der Bühne ohnehin alte Hasen. Dän tut sich zwar zunehmend mit den Höhen schwer und übernimmt daher zunehmend das Beatboxing, während Friedemann Petter zumindest am Anfang ein bisschen angeschlagen klingt, aber angesichts der schmissigen Songs fällt das gar nicht so sehr ins Gewicht. Und bis zu den gefühlvollen Balladen, die schon immer für einige der stärksten Momente in einem Alte-Bekannte-Konzert gehören (so wie auch schon bei den Wise Guys), sind ohnehin alle Stimmbänder wieder geölt. Herrlich etwa „Ein Engel“, aber auch das von warmen Harmonien und reduziertem Groove bestimmte „Erober deine Welt“ schmiegt sich geradezu in die Gehörgänge. Am Ende kommen dann mit „Denglisch“, „Antidepressivum“ und „Jetzt und Hier“ als Zugabe doch noch die ersehnten Wise-Guys-Titel, die das Publikum mal wieder von den Stühlen reißen. Stehende Ovationen – mehr muss man dazu nicht sagen.





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