„Enttäuschende Ewigkeit“: Irgendwas mit Abba

Caligula will zum Mond. Warum auch nicht? Der römische Kaiser, der Zeit seines Lebens für seine exzentrischen und größenwahnsinnigen Wünsche berüchtigt war, hat schon früher sein Imperium ausbluten lassen, da lassen sich auch irgendwie die 28 Milliarden Euro locker machen, um mit Elon Musk gleichzuziehen und vielleicht nicht der erste, wohl aber der wichtigste Mensch auf dem Mond zu werden. Klingt verrückt, ist es auch – doch was zunächst wie ein guter Ausgangspunkt für eine Groteske klingt, erweist sich in der Werkstattbühne bei der Premiere von „Enttäuschende Ewigkeit“ vielmehr als Startschuss für eine ziellose Odyssee durch halbgare Szenen des Blödsinns, in denen ausgerechnet die Pop-Band ABBA die einzige Konstante zu sein scheint. Und die kann das Steuer nun wirklich nicht herumreißen.

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QUATSCH KEINE OPER präsentiert



Offiziell will das Autorenduo Paula Kläy und Guido Wertheimer mit ihrem Stück, das bereits 2022 unter dem Titel „28 Milliarden“ am Schauspiel Graz aufgeführt wurde, die Faszination der Menschheit mit dem Erdtrabanten reflektieren. Regisseurin Sarah Kurze hat zu diesem Zweck Lena Geyer, Paul Michael Stiehler, Sophie Basse und Christian Czeremnych in Kostüme gesteckt, die vor rund 45 Jahren als futuristisch galten, und sie auf eine wilde Reise rund um die Welt geschickt, von der französischen Atlantikküste über das Amazonasgebiet bis nach Tokio. Überall sucht das Quartett nach dem Mond, findet aber nur gestrandete Wale in kontaminierten Gewässern, Caligulas Pferd Incitatus (das sein Herr angeblich zum Konsul machen wollte) und des Kaisers Schwester Drusilla sowie den japanischen Journalisten Toyohiro Akiyama, der als erste Privatperson rund eine Woche auf der russischen Raumstation Mir verbrachte und inzwischen lieber die Rosenblüte in seiner Heimat genießt als auf die Schwärze des Alls zu schauen. Mit dem kosmischen Begleiter haben sie alle nichts zu tun. Aber Logik findet man an diesem Abend selbst mit dem stärksten Teleskop nicht, ebenso wenig wie eine klare Linienführung, nicht zuletzt weil die vier an ABBA angelehnten Charaktere immer wieder aus der Rolle fallen und die Weltreise als Spiel im Spiel identifizieren. Nachvollziehbar ist dies nicht, weil diese Eskapaden vor und hinter der Bühne – im modernen Theater geht ja bekanntlich nichts mehr ohne mindestens eine überflüssige Video-Szene aus dem Off – nur selten irgendeine Art von Mehrwert haben und meistens nur zusätzliche Hektik in ein ohnehin überdrehtes und zugleich banales Stück bringen. Da sehnt man als Zuschauer geradezu die Raucherpause auf der Bühne herbei, weil wenigstens dann alle Beteiligten zumindest für einen Augenblick zur Ruhe kommen, schweigen und den Mond einfach nur Mond sein lassen.

Nach dieser viel zu kurzen Erholung geht „Enttäuschende Ewigkeit“, das seinem neuen Titel durchaus gerecht wird, jedoch unbeirrt weiter, 90 unendliche Minuten lang. Substanzielles bringt das Ensemble in dieser Zeit nicht auf die Bühne. Ja, einmal wird von all dem Guten gesprochen, das Elon Musk mit seinem Vermögen anstellen könnte, anstatt es für irgendwelche Mondmissionen zu verpulvern, und ab und zu gibt es auch den ein oder anderen Kommentar zu Wasserknappheit, Umweltverschmutzung und Bitcoin-Blase, doch all das sind letztlich nicht mehr als Floskeln. Durchsichtige Feigenblätter, um dem Stück eine Relevanz zu verleihen, die weder inhaltlich noch inszenatorisch vorhanden sind, egal wie leidenschaftlich man Goethes Gedicht „Das Göttliche“ zitiert. Die literarische und musikalische Verehrung des Mondes spielt ohnehin keine Rolle, sonst würden statt irgendwelcher ABBA-Songs eher Titel von Beethoven, Debussy, Matthias Claudius und Pink Floyd zitiert oder Gedichte von Alexander Pope, Jorge Luis Borges und Emily Dickinson. So viele vergebene Chancen. Den wahrscheinlich klügsten Satz des Abends äußert derweil der Mond selbst: „Wenn das Pferd tot ist, steig ab“, sagt La Luna. In diesem Fall wäre es besser gewesen, gar nicht erst aufzusteigen.

Termine

7. Februar und 19. Februar, jeweils 20 Uhr auf der Werkstattbühne im Opernhaus.

Weitere Informationen unter www.theater-bonn.de

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