Es war einmal vor langer Zeit in Kanada… So beginnt die Geschichte von Bill Mockridge. Es ist eine Geschichte, die alles beinhaltet, was man auch für ein Epos brauchen würde: Tragik und Komik, gute und schlechte Momente, Leidenschaft und Selbsterkenntnis. Eine gute Geschichte. Eine, die nachdenklich machen und zum Lachen anregen kann, die berührt und bewegt und die noch lange nicht zu Ende ist. Im von ihm einst mitbegründeten Haus der Springmaus hat der 78-Jährige jetzt ein bisschen aus dem Nähkästchen geplaudert. Und dabei noch vor seiner Geburt angefangen.
Im Grunde hätte schon der Beginn von Bill Mockridges Leben zu einer Tragödie werden können. Seine Eltern hatten sich in Toronto kennen und lieben gelernt, doch als seine Mutter schwanger wurde, drängte sie ihren Geliebten zur Heirat – und erfuhr, dass dieser bereits in England Frau und Kind hatte. Er ging, sie brachte ihren Sohn zur Welt und gab ihn sofort nach der Entbindung zur Adoption frei. Ein paar Wochen später nahm die wohlhabende Anwaltsfamilie Mockridge das Baby ein paar Wochen bei sich auf. Ein Glücksfall, auch wenn Bill mit sechs Jahren vorübergehend an einem Minderwertigkeitskomplex litt. „Ich dachte, ich wäre es nicht wert, behalten zu werden“, erzählt er. Der Ausweg sollte die Schauspielerei sein. Zumindest nach der Schule. Und zumindest die ersten Jahre haben Bill Mockridge nachhaltig geprägt, insbesondere dank der Lehrerin Miss Daisy, die die Klasse auf eine vier Jahre währende imaginäre Reise mitnahm und ihren Schülerinnen und Schülern nur durch die Macht der Worte die ganze Welt öffnete. Eine bewegende Szene.
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Während sich Mockridge für diese Grundschul-Episode viel Zeit nimmt, überfliegt er viele andere Begebenheiten. Er erinnert sich an seine erste Freundin, an den ersten Kuss und den ersten Sex auf
einem Flokatiteppich, überspringt dafür die Schauspielschule und die ersten Engagements an deutschen Theatern. Immerhin brachte eines von ihnen ihn aber nach Bonn; der Stadt setzt er mit einer
umgedichteten Fassung von Jacques Brels legendärem „Amsterdam“ ein augenzwinkerndes Denkmal. Hier in der Bundesstadt kam er auf die Idee, Improvisationstheater zu machen. „Was in den 80er Jahren
auf deutschen Bühnen gespielt wurde, fand ich teilweise richtig langweilig“, gesteht er. „Ich fragte mich, warum nicht das Publikum die Handlung mitbestimmen sollte.“ Und probierte es aus – an
diesem Nachmittag im Haus der Springmaus mit der Geschichte der 16-jährigen Rosalinde aus Poppelsdorf, die wegen der großen Liebe ihren Traum einer Schauspiel-Karriere nicht ausleben konnte. Sein
jüngster Sohn Liam, der den Vater ansonsten an Klavier und Gitarre begleitet und untermalt, gibt ihm dabei Schützenhilfe.
Genüsslich erzählt Mockridge weiter, vor allem von der Liebe in all ihren Formen. Natürlich spricht er auch über die Familie, über seine Frau Margie, die sechs Söhne und die privaten
Veränderungen nach dem Auszug des jüngsten. Die fünf L würden ihm helfen, sagt er: Laufen, laben, lieben, lachen und lernen, das hält jung, zumindest im Geiste. Gleiches gilt übrigens für das
Erzählen von Geschichten. Und das beherrscht Bill Mockridge einfach meisterhaft. Das Publikum dankt ihm denn auch mit lang anhaltendem, tosendem Applaus.








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