Weihnachten, das Fest der Liebe und der Familie. Eine Zeit, in der niemand allein sein sollte. Doch genau dieses Schicksal blüht einer Putzfrau und einem Wachmann, die sich als Hauptfiguren in Peter Turrinis Stück „Maria und Josef“ an Heiligabend zufällig über den Weg laufen. Zwei einsame, verlorene Seelen: Sie vom eigenen Sohn zurückgewiesen, er als letzter aufrechter Sozialist von seinen Parteifreunden. Beide sind, so sagt es Josef irgendwann, schlichtweg Übriggebliebene, die von der Vergangenheit träumen, weil die Gegenwart ihnen nichts als Abweisung zu bieten hat. Bis sie sich finden und daraus das Beste machen. Nun hat das Kleine Theater Bad Godesberg das Stück als Januar-Produktion auf die Bühne gebracht – und lässt Schauspielerin Christina Rohde und ihrem Kollegen Dirk Waanders viel Raum, um die Rollen auch ohne Worte auszugestalten. Auch wenn es in erster Linie darum geht, was diese zu sagen haben.
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Tatsächlich ist vor allem Josef von Anfang an überaus gesprächig. Sein Problem: Ihm hört keiner zu, wenn er vom großen Sozialismus spricht, zumindest von dem Ideal, dem er sein Leben gewidmet
hat. Für seine Überzeugungen wurde er von den Nazis fast umgebracht, später dann gelobt. Und heute? Will niemand mehr davon wissen. Nur Josef steht noch da und verteilt „Die Wahrheit“, jene
„Zeitschrift für freie Menschen“, mit der die SED und ihre Nachfolgepartei in Westdeutschland bis zur Wiedervereinigung ihre Propaganda verbreiteten. Interessiert niemanden mehr, auch Maria
nicht. Die hat ganz andere, familiäre Probleme und eine fehlende Perspektive, die sie mit einem regelmäßigen Schluck aus der Flasche zu vertreiben versucht. Von Josefs Idealismus will sie
zunächst nichts wissen, redet lieber von ihrem Sohn und von ihrer früheren Schönheit. Somit reden beide aneinander vorbei – und dennoch nähern sie sich langsam an. Es gibt ja keine Alternative
mehr. Genossen tot, Familie entfremdet, Kollegen irrelevant. Ganz so verschieden, wie es zunächst scheint, sind Josef und Maria eben doch nicht, zumal sie eine Leidenschaft teilen: Die für die
Bühne. Er war einst Laien-Darsteller und ständiger Statist, sie Tänzerin im Varieté. Lang ist’s her, damals, in ihren besten Zeiten, als beide zumindest in bisschen begehrt wurden. Auch davon ist
nicht mehr viel übrig. Bis Maria versucht, Josef zu verführen. Was schwieriger ist als von ihr gedacht.
Eine klassische Komödie ist „Josef und Maria“ in der Regie von Ina-Kathrin Korff trotz manch komischer Momente allerdings nur zum Teil. Ja, es kann herzlich gelacht werden, vor allem angesichts
der verspielten Verklemmtheit und der teils schüchternen und dann wieder überspitzten Annäherungsversuche der beiden Protagonisten. Doch im Mittelpunkt des Stücks steht die gesellschaftliche
Frage nach dem Umgang mit der älteren Generation – zumindest während der ersten Hälfte. Danach stürzen sich Josef und Maria zunehmend in die zwischen ihnen aufkeimende Liebe und letztlich ins
Bett. Die Komplexität der Anfangsszenen, sowohl inhaltlich als auch emotional, ist ab diesem Moment zunehmend auf dem Rückzug. Das können auch Christina Rohde und Dirk Waanders nicht verhindern,
auch wenn sie ihre Rollen mit vielen feinen Facetten versehen und die beiden Hauptfiguren zwar als lebensmüde, aber noch nicht völlig hoffnungslos skizzieren. Immer wieder bricht es aus ihnen
heraus, die Wut und der Zorn über die Herabwürdigung und die Verzweiflung, die damit einhergeht – und so lange dies geschieht, begeistert das Stück dank zweier exzellenter Schauspieler. Gegen
Ende, als Worte zunehmend überflüssig werden, flacht das Stück allerdings merklich ab und lässt die Probleme von Josef und Maria ungelöst. Ob sie die Vergangenheit endgültig hinter sich lassen
können, dank einer zumindest möglichen gemeinsamen Zukunft? Das bleibt offen. Schade. Man hätte beiden besseres gewünscht.
Termine
16. bis 20. Januar // 22. bis 25. Januar // 27. bis 28. Januar, jeweils um 19.30 Uhr, Sonntags um 15.30 Uhr.
Weitere Informationen unter www.kleinestheater.eu



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