Kirsten Fuchs: Ein Fest für Schnipsel-Fans

Kirsten Fuchs liebt Miniaturen. Winzige Anekdoten, ein Satz oder so, höchstens vier, aus dem Alltag gegriffen und zugespitzt und Schnipsel genannt. Schnipsel passen immer, manchmal sogar zu längeren Texten. Schnipsel sind das Salz in der Suppe der rund zweistündigen Lesung, die die Poetry-Slamerin und Autorin in der Lounge des Pantheons hält. Ursprünglich sollte die Berlinerin schon Mitte September in die Bundesstadt kommen, doch damals kam ihr eine Corona-Erkrankung dazwischen – jetzt aber ist die da, um ihr aktuelles Buch „Muttermund tut Wahrheit kund“ vorzustellen. Und um Schnipsel vorzulesen, natürlich zur Auflockerung zwischen ihren längeren Texten oder einfach so, wenn das Publikum explizit darum bittet. Was es in regelmäßigen Abständen auch tut.

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QUATSCH KEINE OPER präsentiert



Nur zu gerne begibt sich Kirsten Fuchs also auf Schnipseljagd und wird stets fündig, auch wenn nicht alle Pointen direkt zünden. Wenn überhaupt. Ist eben ein Glücksspiel. Die längeren Beitrage sind da eine sicherere Bank: In ihnen kann sich der großartig überzeichnete Wahnsinn des Alltags entfalten, durch den die 48-Jährige mehr stolpert als läuft und der sie immer wieder an ihrem Verstand zweifeln lässt. Oder an dem der anderen. Letzteres dürfte wahrscheinlicher sein, auch wenn es sich anders anhört, etwa weil Fuchs wegen eines vergessenen Handys in ihrer Verzweiflung zur Banane greift und über ihre Kinder wischt, damit zumindest ein paar Dinge normal wirken. Oder weil sie Worte wie Mutter, Muttermund und Gebärmutter ineinandersteckt wie eine Matroschka-Puppe. Oder weil sich ihre Versuche, das Online-Banking zu aktivieren, in etwa so anhören wie die legendäre Jagd nach Passierschein A38 aus „Asterix erobert Rom“.

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Keine Frage, mit Sprache weiß Kirsten Fuchs hervorragend umzugehen. Sie ist eine Ritterin des Wortes im heiligen Orden der Eichhörnchen (diese Nager haben einen ganz besonderen Platz in ihrem Herzen), eine Sammlerin von guten Geschichten und eine Erzählerin, die selbst aus einem Gespräch mit ihrem Steuerberater eine herrlich absurde Szene machen kann, nicht zuletzt dank ihres Versuchs, ihre heimlichen Drogen als Betriebsausgaben abzusetzen – was angesichts des Wahnsinns in der Welt durchaus angebracht wäre. Nur mit der Politik wird sie nicht so wirklich warm: Eine Kolumne über Friedrich Merz ist nett gemeint, aber längst nicht so bissig wie nötig. Dafür gelingt es ihr, ein Gespräch zwischen zwei älteren Damen zu schreiben, ohne dass diese über Krankheiten und sonstige Zipperlein klagen. Was das eigentliche Problem ist. Denn wer gesund ist, der kann ja alles machen, alle Arbeiten am Haus und im Büro und sämtliche sonst noch offenen Aufgaben, bis man am Ende gar nichts mehr zu tun hat. Außer zuhören. Zum Beispiel Kirsten Fuchs. Lohnt sich.


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