Mit einem umjubelten Konzert ist die Klassische Philharmonie Bonn an ihre alte Bad Neuenahrer Wirkungsstätte zurückgekehrt: Erstmals seit der Flutkatastrophe spielte das Orchester wieder im großen Saal des Kurhauses, das vor vier Jahren schwer beschädigt wurde. Die Reihe „Wiener Klassik“, die an der Ahr seit 1988 Tradition hat und die der Klangkörper einst unter seinem Gründer Heribert Beissel ins Leben gerufen hatte, musste daher ins Augustinum ausweichen. Um so größer war die Freude, unter neuer Leitung wieder in dem sanierten und restlos ausverkauften Saal auftreten zu können – und das mit einem Programm, das gleich mehrere Sinne ansprach.
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In den vergangenen vier Jahren hat die Klassische Philharmonie Bonn einige Umwälzungen erfahren. Nach dem Tode Beissels in 2021 übernahm zunächst auf dessen Wunsch die Konzertmeisterin Ervis Gega die Leitung, wechselte dann aber zur Villa Musica. Neuer Orchesterdirektor ist seit dieser Saison Moritz Ter-Nedden, der an diesem Abend auch als erster Geiger fungierte und mit seinem ebenso gefühlvollen wie dynamischen Spiel zu überzeugen wusste. Der 37-Jährige verleiht dem Orchester neuen Schwung, was sich auch in der Besetzung zeigt, die mit vielen jungen Gesichtern aufwartet. Und auch inhaltlich schlägt Ter-Nedden neue Wege ein: Statt auf die altgedienten großen Vertreter der Wiener Klassik – Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven – setzt er auf ein Kontrastprogramm zwischen barocken Werken und romantischen skandinavischen Melodien. Johann Sebastian Bach traf somit im Kursaal auf Edvard Grieg und Georg Philipp Telemann auf den Norweger Johan Svendsen. Eine auf den ersten Blick ungewöhnliche Konstellation zwischen streng formalen Kompositionen und großen Emotionen. Aber das Konzept ging auf.
Die Klassische Philharmonie spielte erfreulich schwungvoll und zugleich überaus präzise, begeisterte sowohl mit elegischen als auch mit jubilierenden Passagen und sorgte damit immer wieder für kräftigen Applaus. Dieser galt in gleichen Teilen dem Orchester als auch den Solisten. Neben Ter-Nedden begeisterte auch die gefragte Oboistin Marie Tetzlaff. Ihr feiner, weicher Ton, der sich vor allem bei Telemanns Oboenkonzert e-Moll in voller Pracht entfalten konnte, harmonierte hervorragend mit dem Spiel des Orchesters und auch mit Ter-Nedden, der sich nicht nur bei Gabriel Faurés berühmter Pavane an Tetzlaffs Seite stellte, sondern auch bei Tomaso Albinonis Konzert Nr. 8 D-Dur eine der zwei Oboenstimmen auf seine Geige übertrug und damit für ein ganz besonderes Hörerlebnis sorgte. Nach der Pause erklangen unter anderem Bachs Violinkonzert a-Moll und Griegs wunderschöne Holberg-Suite, in denen der Komponist barocke Tänze wie die Sarabande und die Gavotte mit den Mitteln der Romantik neu umsetzte.
Doch nicht nur die Ohren sollten an diesem Abend verwöhnt werden, sondern auch Augen und Nase. Ersteres versuchte die Klassische Philharmonie Bonn vor allem durch zahlreiche im Saal verteilte Kerzen zu erreichen – immerhin war explizit ein Candlelight-Konzert angekündigt worden. Diese konnten allerdings die erhoffte Atmosphäre nur bedingt erzeugen, da die prächtigen Kronleuchter im Saal konsequent angeschaltet blieben. Und auch die brillante Idee, mit Hilfe der mehrfachen Vizeweltmeisterin in Rhythmischer Sportgymnastik Daniella Kromm und einigen parfümierten Bändern zusätzlich olfaktorische Eindrücke zu vermitteln, kam nicht so ganz zur Entfaltung: Der Laufweg führte stets durch den Mittelgang und dann lediglich an einer der Seitenwände zurück, so dass jeweils eine Hälfte des Publikums die Noten von Tannennadeln, Orange, Nelke und Zimt nicht mitbekamen. Schade. Immerhin gab es zum Ausgleich am Ausgang ein paar Zimtsterne. Ist ja schließlich Weihnachten.
Termin
Die Klassische Philharmonie Bonn kehrt am 22. Februar 2026 mit „Eine italienische Nachtmusik – Florenz im Laternenlicht“ zurück in den Kursaal Bad Neuenahr.
















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