Kennen Sie das? Da erzählt Ihnen jemand eine Geschichte mitten aus dem Leben, und Sie fühlen sich unvermittelt verwirrt: Das kann doch nicht wahr sein, denken Sie und beginnen, an der Realität zu (ver)zweifeln. Passiert regelmäßig bei Äußerungen von Donald Trump, aber auch zum Beispiel bei denen von Friedrich Merz. Oder bei Philipp Scharrenberg. Der Poetry-Slammer und Kabarettist beschäftigt sich in seinem aktuellen Programm „Verwirren ist menschlich“ nämlich mit den so genannten Mindfucks, dank derer die Grenzen zwischen Wahnsinn und Wahrheit immer mehr verwischen und die Gehirnwindungen immer mehr einem Gordischen Knoten ähneln. Diese Irrungen und Wirrungen will der 49-Jährige zumindest lockern, wenn schon nicht lösen – was allerdings angesichts der ein oder anderen sehr bemühten Pointe schnell ins Gegenteil umzukippen droht.
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Dabei meint Scharrenberg es eigentlich nur gut. Er will „Wege aus der Selbsttäuschung“ weisen, wie er bei einem Auftritt im Haus der Springmaus selbst betont, will den Mindfucks mit Zärtlichkeit und Poesie begegnen, will in Reimform antworten auf Stadtbild-Debatten, auf Vorurteile und auf den den immer größer werdenden Unterschied zwischen dem Selbstbild und der Realität. Er berichtet von Hipster-Hypokriten, die erst zu Primark und direkt im Anschluss zu Fridays for Future gehen oder von selbst ernannten Kulturkämpfern, die lautstark gegen den angeblich politisch inkorrekten Winnetou vorgehen, die AfD-Rhetorik aber unwidersprochen hinnehmen. Und er sucht nach klaren Worten, die er letztendlich bei Klaus Kinski findet. „Du dumme Sau, du!“ Manchmal kann es so einfach sein.
Das Problem: Oft genug macht Scharrenberg es komplizierter als nötig, vor allem in Bezug auf die Form. Mal pflegt er eine bemühte Lässigkeit, mal eine überdrehte Künstlichkeit. Dann setzt er sich zum Beispiel eine Kappe mit Glitzerfront auf, weil die Menschen ja alle so reflektiert sind und „so hip, so vogue und so cringe“. Oder er greift zum Mikrofon, um irgendein generisches Liedchen zu trällern, das sich selbst überhöht und dabei – trotz manch kluger Ideen – leider überhaupt nicht authentisch wirkt. Dieser artifizielle Touch wird so schnell selbst zum Mindfuck, etwa wenn Scharrenberg Fünf-Punkte-Regeln gegen Fünf-Punkte-Regeln aufstellt und dabei das literarische Äquivalent von Matroschka-Puppen nutzt, um für Verwirrung zu sorgen. Das ist natürlich bewusst so konstruiert, aber leider nicht zielführend, zumal hier ein zärtlicher Mindfuck, wie Scharrenberg seine gereimten Repliken auf so manch gesellschaftliches Phänomen oder die Aussagen von Spitzenpolitikern bezeichnet, keine Erleichterung verschafft. Ebenso wenig übrigens wie ein Druck auf die Easy-Taste, die dank Faith No More für eine kleine musikalische Pause sorgt.
Am stärksten ist Philipp Scharrenberg immer noch dann, wenn er Raum für Geschichten lässt, wenn er erzählt vom kleinen Spinner, der einen Käferschist entlarvt und sich mit wespischen Bienen solidarisiert, oder vom Mittelmaß-Kind Lino Looser, das selbst bei der Müllabfuhr keine Chance erhält und damit der Gegenentwurf ist zu Alleskönner Benjamin Blümchen. In diesem Rahmen machen Scharrenbergs Absurditäten richtig Spaß, und je mehr Zeit er sich für die Entwicklung der Handlung lässt, um so überzeugender wird der Text. Ohne Irrungen, ohne Wirrungen, ohne Mindfuck. Geht doch.
















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