Es wird wieder spannend: Bei der 17. Ausgabe des Jazzfests Bonn, die vom 17. April bis zum 9. Mai 2026 wie gewohnt in verschiedenen Locations im Stadtgebiet stattfinden wird, stehen im kommenden Jahr vor allem Sängerinnen und Sänger sowie Gitarristinnen und Gitarristen im Mittelpunkt. Und natürlich die Improvisation, das erklärt sich ja von selbst. Schließlich geht es um die Magie des Moments, um Musik, die erst vor Ort entsteht und damit besonders authentisch ist, wie der künstlerische Leiter Peter Materna bei der Vorstellung des Programms betont. In 30 Konzerten will er dem Publikum die gesamte Bandbreite des Jazz bieten und dabei vor allem starke Stimmen präsentieren. Was ihm durchaus gelingen dürfte, zumal er Künstlerinnen und Künstler hat gewinnen können, die er schon mehrfach angefragt und umworben hat – und die überaus vielversprechend klingen.
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Schon beim Auftakt bleibt es zwar instrumental, klingt aber durchaus vokal: Niemand geringerer als der norwegische Saxofonist Jan Garbarek, der die menschliche Stimme zu seinem Ideal erkoren hat, eröffnet das Festival, und zwar in der frisch eröffneten Beethovenhalle. Ein großer Raum für einen großen Künstler, der neben Rainer Brüninghaus am Flügel und Yuri Daniel am Bass auch Perkussions-Legende Trilok Gurtu mitbringt. Ihm überlässt Materna denn auch ganz allein das Rampenlicht und verzichtet auf das sonst übliche Doppelkonzert-Format – eine Entwicklung, die übrigens kein Einzelfall ist.
Mit Shai Maestros The Guesthouse Quartet und dem SuperBlue-Quartett von Jazzsänger Kurt Elling kommen schon einen Tag später zwei Formationen in die Bundesstadt, die im Grunde jede für sich allein als Headliner gelten könnten. „Ich habe beide angefragt, und überraschenderweise haben beide sofort zugesagt“, freut sich Materna, dessen Festival längst über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt ist, wie alleine 30.000 Mails pro Jahr mit Anfragen von Künstlerinnen und Künstlern sowie von Agenturen belegen. Shai Maestro ist ein grandioser Pianist in der Tradition von Keith Jarrett und Chick Corea, der einst beim Avishai Cohen Trio seine ersten Lorbeeren erntete und mit seinem im kommenden Jahr erscheinenden Album „The Guesthouse“ die Grenzen zwischen Akustik und Elektronik auslotet. Derweil gilt Elling als wohl wichtigster Jazz-Sänger der Gegenwart, der ein Talent dafür hat, instrumentale Kompositionen um anspruchsvolle Texte zu ergänzen und sie tatsächlich singbar zu machen. Statt als Crooner tritt er aber nun als Soul- und Funk-Sänger auf und erweitert so sein ohnehin schon beträchtliches Repertoire um eine weitere Facette.
Zwischen West und Ost
Derartige Glücksfälle ziehen sich wie ein weiterer roter Faden durch das Programm für 2026. Immer wieder bekräftigt Materna, dass er bei gewissen Künstlern einfach zusagen musste, so wie bei Billy Cobham, den er schon lange für das Festival gewinnen wollte und der jetzt zusammen mit Iiro Rantala und dessen Trio im Pantheon spielt. Oder wie bei John Scofield und Gerald Clayton, die er zusammen mit Marius Neset in die Oper holen kann. Sehr freut sich Materna auch darüber, dass er auf der einen Seite mit Günter „Baby“ Sommer und Ulrich Gumpert zwei der renommiertesten Free-Jazz-Musiker der DDR ins Haus der Geschichte holen kann und auf der anderen Seite mit der Saxofonistin Theresia Philipp und dem Pianisten Sebastian Scobel zwei Kinder der Wiedervereinigung aus dem Osten.
Während in 2025 das Akkordeon einen kleinen Schwerpunkt innerhalb des Jazzfests hatte, treten nun verstärkt Gitarristen in den Vordergrund. Neben Scofield und Maestro wäre da vor allem noch Wolfgang Muthspiel zu nennen, der mit seinem Chamber Trio ins Pantheon kommt. Aber auch reizvolle Newcomer wie Rob Luft, Lau Noah oder Markus Segschneider hat Materna ins Visier genommen. Fantastisch dürfte zudem ein Abend mit Rabih Abou-Khalil werden, der mit seiner Oud arabische Traditionen und westlichen Jazz zusammenbringt und als Grenzgänger eine Klasse für sich ist. Ganz klar ein Highlight des Festivals, zumindest für alle Liebhaber von Weltmusik, die sich diesen Auftritt nicht entgehen lassen sollten. Gleiches gilt übrigens auch für den Auftritt von Hildegunn Øiseth, die Materna in diesem Jahr beim Abschlusskonzert mit Sarah Chaksads Large Ensemble aufgefallen ist und die er – ebenso übrigens wie Sängerin Yumi Ito – sofort für die kommende Ausgabe des Jazzfests gebucht hat. Das Besondere an Øiseth: Sie spielt nicht nur Trompete, sondern auch Ziegen- beziehungsweise Bukkehorn. Das archaische Instrument hat einen ganz besonderen Klang, unrein, eigenwillig, bockig. Doch gerade das macht es für Künstlerinnen und Künstler wie Karl Seglem oder eben für Hildegunn Øiseth so faszinierend.
Ähnlich experimentierfreudig sind Of Cabbages And Kings: Das Damen-a-capella-Quartett bei dem inzwischen nur noch Laura Totenhagen und Veronika Morscher von der Originalbesetzung übrig sind, setzt ausschließlich auf die Kraft der Stimme und geht kontinuierlich an die Grenzen des Singbaren. Daher ist es nur folgerichtig, dass Materna es in die Kreuzkirche eingeladen hat, die als Veranstaltungsort neu hinzugekommen ist und deren besondere Akustik der Vokalkunst entgegenkommen dürfte. Ähnlich dürfte es beim Konzert von Silje Nergaard zugehen, die mit ihrem Guitar Trio im Bonner Münster einen weiteren Solo-Abend bestreiten wird. Spannend dürfte aber auch das Trio Morley klingen, das wegen Umbauarbeiten im Volksbankhaus im so genannten „ErlebnisCenter“ in der Gangolfstraße auftreten wird – und dann wäre da noch das Finale im Telekom Forum, bei dem neben dem Fuchsthone Orchestra das finnische UMO Helsinki Jazz Orchestra aufspielt, und zwar mit niemand geringerer als der umjubelten Sängerin Jazzmeia Horn. Noch hochkarätiger wird allerdings das bislang einzige Extended-Konzert des Jazzfests 2026 am 27. Juni in der Bonner Oper: Dann nämlich wird neben dem dem Anton Mangold Quintett die sechsfache Grammy-Gewinnerin Esperanza Spalding auf der Bühne stehen. Klasse.
Jazzfest Bonn 2026 vom 17. April bis 9. Mai
Fr, 17. April 2026, 19 Uhr, Beethovenhalle:
Jan Garbarek Group feat. Trilok Gurtu
Sa, 18. April 2026, 19 Uhr, Bundeskunsthalle:
Shai Maestro The Guesthouse Quartet | Kurt Elling SuperBlue
So, 19. April 2026, 19 Uhr, Kreuzkirche:
Of Cabbages And Kings
Mi, 22. April 2026, 19 Uhr, Pantheon:
Caris Hermes Group | Hildegunn Øiseth Quartet
Do, 23. April 2026, 19 Uhr, Pantheon:
Rob Luft Trio | David Helbock & Julia Hofer
Fr, 24. April 2026, 19 Uhr, Pantheon:
Yumi Ito | Donny McCaslin
Sa, 25. April 2026, 19 Uhr, Haus der Geschichte:
Günter Baby Sommer & Ulrich Gumpert | Theresia Philipp & Sebastian Scobel
So, 26. April 2026, 19 Uhr, Collegium Leoninum:
Marlies Debacker | Lau Noah
Do, 30. April 2026, 19 Uhr, Post Tower:
Nicole Zuraitis | Shake Stew
Fr, 1. Mai 2026, 19 Uhr, Opernhaus:
John Scofield & Gerald Clayton | Marius Neset CABARET
Sa, 2. Mai 2026, 19 Uhr, Pantheon:
Iiro Rantala TRINITY | The Billy Cobham 5tet
So, 3. Mai 2026, 19 Uhr, Pantheon:
Kadri Voorand & Mihkel Mälgand | Wolfgang Muthspiel Chamber Trio
Mi, 6. Mai 2026, 19 Uhr, Volksbank ErlebnisCenter Gangolfstraße:
Markus Segschneider | MORLEY
Do, 7. Mai 2026, 19:30 Uhr, Bonner Münster:
Silje Nergaard Guitar Trio
Fr, 8. Mai 2026, 19 Uhr, Kreuzkirche:
Rabih Abou-Khalil Group
Sa, 9. Mai 2026, 19 Uhr, Telekom Forum:
Fuchsthone Orchestra | UMO Helsinki Jazz Orchestra feat. Jazzmeia Horn
Jazzfest Bonn Extended
Sa, 27. Juni 2026, 19 Uhr, Opernhaus:
Anton Mangold Quintett | Esperanza Spalding
Tickets und weitere Informationen unter www.jazzfest-bonn.de
















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