Es ist schon bemerkenswert, wie oft Trends in der Musik nach einer gewissen Pause wieder aus der Versenkung hervortauchen und das Publikum von Neuem zum Toben bringen. Bestes Beispiel: Boygroups. In den 60ern entsprangen die Monkees der gleichnamigen Fernsehserie, in den 90ern kamen unter anderem die Backstreet Boys zusammen, und um 2010 herum entstanden One Direction und Big Time Rush, die ebenfalls TV-Gewächse sind. Letztere haben aber inzwischen längst ihre Nickelodeon-Vergangenheit hinter sich gelassen und füllen dennoch mühelos große Hallen – so wie auch die Lanxess Arena, in der sie für ihre Fans eine wirklich bemerkenswerte, energiegeladene Show im Spannungsfeld zwischen gefälligem Pop und einer guten Dosis Rock präsentieren.
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Die vier Sonnyboys aus Los Angeles wirken in vielerlei Hinsicht wie jede andere Boygroup: Sie bedienen als Charaktere unterschiedliche Klischees, sind bewusst zielgruppengerecht gecastet worden und agieren dennoch gesanglich und tänzerisch als Einheit. Dabei sprühen Big Time Rush allerdings nur so vor Spielfreude und Leidenschaft. Sie genießen die Trampoline, mit denen sie die verschiedenen Ebenen einer rampenartigen Konstruktion auf der Bühne erreichen können, sie genießen den ein oder anderen Gag (unter anderem die Fahrt mit einem Einkaufswagen) und vor allem genießen sie den Kontakt zum frenetisch jubelnden Publikum.
Dem schmieren Kendall, James, Carlos und Logan allerdings auch geschickt Honig ums Maul, indem sie die Stadt loben und den Dom und den Weihnachtsmarkt. „Eine unserer allerersten Touren ging durch Deutschland, und schon damals hatten wir in Köln die beste Zeit unseres Lebens“, erzählt Logan. Eine Aussage, die auch die Fans unterschreiben können. Und das zu Recht: Big Time Rush bieten nicht nur eine gute Show, sondern auch gute Musik, die vor allem dann interessant wird, wenn die vier Sänger die generischen Sounds hinter sich lassen, etwa bei „Paralyzed“ und „City Is Ours“, wenn auch Gitarrist Cody Perrin seine harte Seite ausleben kann. Stark ist aber auch der Auftritt von Stephen Kramer Glickman, der ebenfalls zur Serie gehörte und am Klavier dank seiner Virtuosität und seiner Soul-Stimme eine großartige Figur macht. Von ihm hätte man gern mehr gehört. Doch die Show muss weitergehen. Immerhin begleitet Glickman noch jedes der vier BTR-Mitglieder bei einem kurzen Solo, bevor er das Rampenlicht wieder verlassen muss – und das zum Schmäh-Gesang „Giant Turd“ (auf deutsch: großer Haufen), den die Band ihm liebevoll widmet. Wie nett.
Obwohl manche Nummern noch nicht einmal die Zwei-Minuten-Marke knacken, lassen sich Big Time Rush Zeit: Rund zwei Stunden stehen die Vier auf der Bühne, inklusive eines Stopps auf der B-Stage, bei der sie einigen glücklichen Fans – viele von ihnen tragen mit allerlei Grünzeug geschmückte Hüte als Verweis auf die zu Grunde liegende Serie – ganz nah kommen und mit Katelyn Tarver ein weiteres Mitglied der TV-Familie für einen Song dazustößt. Zwischendurch wird gesprungen, getanzt und gelacht, werden die beliebten Handy-Taschenlampen geschickt eingesetzt und die obligatorischen Konfettikanonen abgefeuert. So lange Kendall, James, Carlos und Logan (die immerhin auch inzwischen alle Mitte 30 sind) so weiter machen können und wollen, dürften sie weiterhin die großen Arenen füllen. Und dabei sehr viel Spaß haben.
















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