Tommy Engel: Drei Engel für Bonn

Für Tommy Engel steht die Familie über allem. Und die ist durchaus umfangreich: Er selbst ist der jüngste von zehn Kindern, hat drei Söhne und sechs Enkel, da kommt schon was zusammen. Insofern war es nur eine Frage der Zeit, bis er diese Konstellationen in den Mittelpunkt eines Programms stellt. Mit „Familie un Fründe“ ist er nun im Rahmen von „Quatsch keine Oper“ nach Bonn gekommen, mit alten Weggefährten, passenden Liedern – und mit zwei weiteren Engeln.

Schon im März vergangenen Jahres hat Engel seine Band neu aufgestellt und einen mittleren Sohn Ilja sowie seinen Enkel Robin Duns eingebunden. Ersterer steht jetzt an den Congas, letzterer hat sich die akustische Gitarre umgeschnallt. Und beide treten auch gerne mal ans Mikrofon, um den Patriarchen zu unterstützen. Vor allem Robin, der sonst ebenso wie sein Onkel Ilja zur Kölner Band Höösch gehört, erweist sich als exzellenter Musiker mit kraftvollem Organ, der das Erbe seines Großvaters durchaus weiterführen könnte. Er steuert unter anderem eine kölsche Cover-Version vom Snow-Patrol-Hit „Chasing Cars“ bei und führt damit eine Familientradition fort. Immerhin hat Tommy Engel schon diverse Hits der Rock- und Pop-Geschichte mit einem neuen Text ausgestattet, unter anderem Zuccheros „Senza Una Donna“. Auch bei diesem steht jetzt Robin an der Seite des 75-Jährigen. Für ein Beatles- und Bee-Gees-Medley – diesmal allerdings ausnahmsweise auf englisch – treten sogar alle drei Engel ins Rampenlicht. Klasse.

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QUATSCH KEINE OPER präsentiert



Seiner Familie hat Tommy Engel auch den ein oder anderen Song gewidmet. Mit „Denk ich an dich“ erinnert er sich an seine viel zu früh verstorbene Mutter, mit „Du mäs mich fruh“ an seine Enkelkinder. Dazu kommen Lieder von Freunden und Bekannten. Natürlich darf die ein oder andere Verneigung vor Trude Herr nicht fehlen (darunter das wuchtige „Die Stadt“), wohingegen ein Verweis auf Stefan Raab zunächst überrascht. Dieser war jedoch offenbar mit den Engel-Söhnen befreundet. Also gibt es keinen Hinderungsgrund, „Ävver et Hätz bliev he in Kölle“ neu zu interpretieren, das Raab vor nunmehr 13 Jahren zusammen mit den Höhner aufgenommen hat. „Das war ganz ordentlich“, so das Urteil von Tommy Engel, „aber man kann das auch anders machen“. Diese kleine augenzwinkernde Spitze kann er sich doch nicht verkneifen, zumal mit Hannes Schöner der Ex-Bassist der besagten Band im Publikum sitzt. Typisch Engel. Der kann alles sagen, mit Schalk im Nacken und mit blitzenden Augen, ohne dass man ihm etwas nachträgt. 

Diese Eigenschaft Engels ist auch einer der Gründe, warum er trotz der heute so verbreiteten Empfindsamkeit in Sachen Political Correctness eine Nummer wie Randy Newmans „Short People“ singen kann. Gut, das Lied ist ja auch eine Satire, aber das hat Aktivisten noch nie aufgehalten, sich über die Zeilen zu beklagen. Tommy Engel ist das egal. Er darf das, sehr zur Freude des Publikums. „Ich bin ja auch klein“, betont er. Von wegen. Musikalisch ist er einfach ein ganz Großer. Einer, der das Herz ebenso berührt wie das Zwerchfell und einfach eine treue Seele ist. Auch gegenüber seinen Liedern. Und so holt er unter anderem „Ming Eeste Fründin“ hervor, einen Klassiker, bei dem er eigentlich nur den Einsatz geben muss. Den Rest übernimmt die Menge im Saal. Immerhin ist das Lied mit knapp 50 Lenzen längst Teil der kölschen DNA geworden, ebenso wie „Pütze Hein“, das in Bonn einen kräftigeren Groove erhält als früher, beim Publikum aber trotzdem – oder gerade deswegen – hervorragend ankommt.

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Gut zweieinhalb Stunden lang schwelgt Tommy Engel in Erinnerungen, feiert die Familie und das Leben und immer wieder seine Heimatstadt Köln. Dieser Dreiklang ist auch für den „Weihnachtsengel“ maßgeblich, jene Show in der Adventszeit, die 2025 ihr 20. Jubiläum feiert. Natürlich sind längst alle Termine ausverkauft – man muss sich halt frühzeitig kümmern. Das gilt übrigens auch in Bonn. Noch steht zwar kein weiterer Auftritt von Tommy Engel in der Bundesstadt auf dem Plan, aber das ist eigentlich nur noch eine Frage der Zeit, zumindest wenn es nach dem Publikum geht, das die Band und alle Engel minutenlang bejubelt. Zu Recht.


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