Timon Krause: Kurztrip mit Massenhypnose

Eine Berührung, ein paar Worte, und schon schläft der Gast auf der Springmaus-Bühne. Dann der nächste. Und der nächste. Und der nächste. Mehr als 16 willige Zuschauer versetzt Timon Krause in eine Art Trance – nur zwei junge Männer widerstehen den Suggestionen des 27-jährigen Mentalisten, der in Bonn seine neue Show „Mind Games“ präsentiert. Erst einen Tag zuvor hat das Programm Premiere gefeiert, in dem Krause Menschen sowohl liest als auch anleitet. Ob er nun versteckte Quietscheenten sucht oder eben eine kleine Massenhypnose inszeniert, stets ist Krause Herr der Lage, während ihm das Publikum mit ungläubigen Augen folgt.

Dabei hält sich Krause noch zurück und setzt den Fokus mitunter eher auf Comedy denn auf Mentalmagie. So erzählt er von nebulösen Drogenexperimenten in Amsterdam, reduziert die Philosophie auf eine Frage („warum?“) und eine Bitte („definiere“) und überlegt, ob man am Geschlechtsteil eines Mannes dessen Persönlichkeit ablesen kann. Die so genannte „Phallomantie“ führt er letztlich doch nicht auf der Bühne vor und belässt es stattdessen bei der Zuordnung von Baum-Skizzen, was angesichts des ganzen Aufbaus der Pointe leider recht ernüchternd ist, aber wahrscheinlich besser als die peinliche Alternative. Spektakulär ist dieser Teil der Show nicht, dafür rät Krause zu viel und erweist sich weit weniger souverän als im Vorgänger „Comedy in Mind“. Andererseits sind die Hypnose- beziehungsweise Suggestions-Nummern der zweiten Hälfte umso verblüffender: Da fährt Krause mit seinen Probanden kurzerhand nach Berlin, nimmt jedes zweite Schlagloch mit, verwandelt Mineral- zu Lach-Wasser und versucht, jeden zu einem besseren Menschen zu machen. Und wer weiß – vielleicht hat ja zumindest das geklappt.

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