Florian Schroeder: Die Macht der Angst

Am liebsten würde man 2021 vergessen. Corona, Corona, Corona, Bundestagswahl, Corona und Klima: Es war ein Jahr der Ängste, auf das Florian Schroeder in seinem kabarettistischen Jahresrückblick „Schluss jetzt“ zurückblickt. Ein Jahr, in dem eine kleine radikale Minderheit die Themen setzte und sowohl große als auch kleine Parteien vor sich hertrieb. Ein Jahr, in dem sich alles ändern sollte und doch letztlich beim Alten blieb. Ein Retro-Jahr eben, das der Satiriker im gut gefüllten Pantheon zerpflückt.

In Pandemie-Zeiten ist ein derartig großer Zuspruch beziehungsweise überhaupt die Erlaubnis zum Auftritt keine Selbstverständlichkeit, das hat auch Schroeder trotz eindeutig vorliegender Systemrelevanz schon zu spüren gekommen. Doch irgendjemand muss den Bürgern und vor allem den Politikern nun einmal den Spiegel vorhalten, damit diese nicht im drögen Weiter-So verharren. Und so nimmt Schroeder eben jeden aufs Korn, Scholz und Baerbock und Lindner und Laschet, mal plump parodistisch, mal gnadenlos bissig – und in den besten Momenten scharfsinnig analytisch.

Während immer mehr Kabarettisten in Deutschland darauf verzichten, in ihren Shows konkrete Politiker vorzuführen und zu verlachen, bleibt Schroeder seinem Hang zu Imitation und Karikatur treu. Genüsslich arbeitet er sich an jedem ab, der etwas oder vielmehr nichts zu sagen hat: Cem Özdemir, die Julia Klöckner der Grünen; Robert Habeck, der wie kein anderer Belanglosigkeiten in schöne Worte fassen könne; oder Karl Lauterbach, der als Mediziner tatsächlich Ahnung vom Corona-Virus demonstrieren könne, wenn er sich selbst mal ausreden lassen würde. Den Unions-Politikern widmet er gar einen Großteil der zweiten Hälfte seines Programms, führt sie vor und zeigt ihre peinlichsten Fernseh-Auftritte.

 

Doch gut wird Schroeder erst dann, wenn er diesem negativen Personenkult den Rücken kehrt, mit dem Spotten aufhört und stattdessen Klartext spricht. Über die Angst, zum Beispiel, die Politiker umtreibt, die Angst vor den wenigen lauten Impfgegnern etwa, die wichtiger gemacht werden, als sie eigentlich sind. Von einer „Spaltung“ der Gesellschaft könne nun wirklich nicht die Rede sein, wenn sich die überwiegende Mehrheit nur allzu bereitwillig eine Spritze geben ließe, so Schroeder – und doch sei es eben die sich sträubende Minderheit, die, von bestimmten Medien befeuert, die Debatten bestimme, so als ob das Prinzip der Majorität nur bei der Wahl des Kanzlers, nicht aber bei der Wahl einer konsequenten Strategie gelte. „Wer Angst hat, bekommt Recht“, beklagt er. „Jetzt heißt es wieder, wir müssten diese Ängste ernst nehmen, dabei hat das schon bei Pegida nicht geklappt.“ Ob die neue Regierung diese Haltung allerdings aufgeben wird wird, ist ungewiss. „Wir spüren den Wind der Veränderung, der uns ins Gesicht bläst“, hat Armin Laschet einmal unfreiwillig formuliert. Und das kann in Berlin ja nun wirklich keine Partei wollen.

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