Rea Garvey: Gelbjacken im Ausnahmezustand

Rea Garvey kann es einfach nicht fassen. Endlich wieder live, endlich wieder in Bonn, das erste Mal nach sechs Jahren. Ein besonderer Auftritt für den charismatischen Sänger – weniger wegen dem, was er jetzt wieder tun kann, als vielmehr wegen dem, was er beim letzten Besuch in der Bundesstadt nicht gemacht hat. Damals war er gerade Vater geworden, stand dennoch am selben Abend auf der KunstRasen-Bühne, jubelte innerlich und konnte die frohe Botschaft nicht in die Welt hinausschreien, weil er sie selbst noch nicht vollständig verarbeitet hatte. Insofern hatte der Ire Nachholbedarf. „Ich bin vor sechs Jahren Vater geworden!“, ruft er der Menge zu und legt los, um dieses Ereignis mit seiner Band und seinen Fans nachträglich zu feiern. Was angesichts seiner Leidenschaft für die Musik und seiner ansteckenden guten Laune zu einem ganz außergewöhnlichen Fest wird.

1700 Menschen sind an diesem Abend trotz des ungemütlichen Wetters in die Bonner Rheinaue gekommen und erleben einen hervorragend gelaunten Musiker, der zwischen seinen Songs nur zu gerne aus dem Nähkästchen plaudert. „Ich rede zu viel“, gesteht er selbst ein, „aber ich bin einfach zu gut drauf.“ Außerdem hat er noch ein paar Überraschungen parat, vor allem für die Familie seiner neuen Geigerin Jördis Tielsch. Diese holt er kurzerhand auf die Bühne und singt einige Stücke nur für sie, darunter eine wunderschöne Cover-Version von Glen Hansards „Falling Slowly“, bei der er mit Jördis Tielsch im Duett singt, sowie den alten Reanmonn-Hit „Supergirl“.

Ohnehin bedient sich Rea Garvey ebenso ausgiebig bei seinem eigenen Repertoire als auch bei dem anderer Künstler. Immerhin hatte er mit dieser Mischung schon bei seinen Yellow Jacket Sessions Erfolg, jener Livestream-Reihe, mit der Garvey durch den Lockdown gekommen ist. So singt er „Wonder“ von Shawn Mendes oder Aviciis Gute-Laune-Song „Wake Me Up“ ebenso gerne wie „Colour Me In“ aus dem Solo-Debüt-Album „Can't Stand The Silence“ oder „Pretty“ von der aktuellen Scheibe „Hy Brazil“. Die Band spielt jede Nummer geschickt nach vorne, während Rea Garvey, der sich längst seiner gelben Jacke entledigt hat, ausgelassen über die von Lichtgewittern erhellten Bühne jagt und das Konzert wahrscheinlich ebenso sehr genießt wie jeder einzelne Besucher des KunstRasens. „Das Leben ist ein Geschenk“, sagt er, „das müssen wir nach dieser schwierigen Zeit wieder lernen.“ Nun, wenn er das unterrichtet, verstehen es alle.

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