Chris Barber: Gesellen ohne Meister

Eigentlich hätte es ein großes Jubiläumskonzert werden sollen, eines von vielen, aber dennoch eines mit Schwung. Seit 70 Jahren steht Chris Barber mittlerweile auf der Bühne, ein Bigband-Dinosaurier und einer der letzten Bewahrer von traditionellem New-Orleans-Jazz und Dixieland-Musik in großer Besetzung. In der Stadthalle Bad Godesberg wollte der 88-Jährige nun dementsprechend feiern. Doch es kam anders. Der Meister habe sich die Hüfte gebrochen, musste Posaunist Bob Hunt gleich zu Beginn des Konzerts bekanntgeben. Kein Grund zur Panik, Barber würde schon wiederkommen. Aber eben nicht an diesem Abend. An dem würde es ohne den Chef gehen müssen.

Schön war diese Ankündigung nicht. Viele Gäste waren extra für Barber gekommen und waren dementsprechend enttäuscht, zumal der Veranstalter selbst es nicht für nötig hielt, das Publikum im Vorfeld zu informieren. Ganz im Gegenteil: Noch an der Abendkasse verkaufte er fröhlich Tickets für ein Konzert, das seiner Hauptattraktion beraubt worden war. 35 Euro in der günstigsten Kategorie, mehr als das Doppelte für die ersten Reihen. Immerhin bemühte sich die Big Chris Barber Band dafür auch redlich, den Verlust ihres Bandleiters auszugleichen. Routiniert spielten sie die gängigen Titel, darunter die seit 1954 als Erkennungsmelodie fungierende „Bourbon Street Parade“, den „Jubilee Stomp“ oder auch „When The Saints Go Marching In“. Jeder Ton saß, immerhin sind die Musiker Vollprofis.

 

Dass manche Melodie ein wenig zu brav wirkte und etwa Fats Wallers legendärer „Wild Cat Blues“ eher nach Weidenkätzchen-Swing klang, störte das Publikum dabei kaum. Hätte Chris Barber selbst schließlich nicht anders gemacht. Allerdings hätte er zumindest einige Lieder etwas anders phrasiert, hätte etwa den (sehr glatten) Blues „Going Home“ mit mehr Ecken und Kanten versehen als Klarinettist Bert Brandsma, der kurzerhand mit weicher Stimme einsprang. Nicht ohne Grund hatte die Band sogar den ein oder anderen Titel aus dem Programm genommen, bei dem Chris Barber sonst zum Mikro gegriffen hätte, und ersetzte sie durch Instrumentalstücke, bei denen sie sich deutlich wohler fühlte, mit souveränen Soli zu punkten verstand und die Abwesenheit ihres Leiters weitestgehend umspielen konnte. Auf diese Weise lavierten sich die Musiker durch den Abend und versprachen, beim nächsten Mal wieder vollständig zu sein. Das Publikum kann es nur hoffen.

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Kommentare: 1
  • #1

    Margret Sommer (Dienstag, 15 Januar 2019 16:14)

    DANKE . gerade doch hier auf Ihrer Seite entdeckt. Würde mich aber über mehr Fotos freuen. Hatte das Vergnügen die Musiker noch reden zu hören, wie Jemand berichtet , daß er auch mit Sinatra gespielt hat. oder über andere Konzerte und Proben. Leider ist mein Englisch nicht gut genug um alles zu verstehen. Hatte mich aber nicht getraut, die Herren persönlich noch an zu sprechen. DANKE für mich war der Abend ein Erlebnis mit Live Musik. DANKE - Margret Sommer aus Windeck -Rosbach