Karin Pagmár: Die Lieder einer Diva

Und wieder rollt das R. „Du darrrfst mirrr nie mehrrr rrrote Rrrosen schenken“, schnarrt Karin Pagmár in ihrer Zarah-Leander-Revue und erweckt damit eine der ganz großen Diven wieder zum Leben. Gut, ein wenig übertreibt sie es schon mit dem Akzent, doch der herrlich markante Kontra-Alt und der von Sehnsucht und Liebeskummer geprägte Tonfall passen ebenso wie die allgemeine Grandezza so perfekt, dass das Publikum im Kleinen Theater Bad Godesberg von der Sängerin und Schauspielerin ganz hingerissen ist. Nicht umsonst gilt Pagmár, die in Bad Godesberg von Samuel Skönberg am Klavier begleitet wird, als eine der großen Interpretinnen ihrer Landsfrau, als eine, die nicht nur optisch und akustisch an jene Frau erinnert, die zum Idol ganzer Generationen wurde und bis heute unvergessen ist.

Eingebettet in ein paar autobiographische Passagen schwelgt Pagmár in den Chansons und Evergreens: „Yes, Sir“, singt sie, „Ich weiß, es wird einmal ein Wunder gescheh'n“, „Nur nicht aus Liebe weinen“ und „Kann denn Liebe Sünde sein“ (letzteres noch deutlich tiefer als die Leander es in „Der Blaufuchs“ sang). Mehr oder weniger chronologisch reiht sie die Titel aneinander und nutzt sie, um den Ruf Zarah Leanders als Sinnbild für die Schönheit des Leidens musikalisch zu deuten. Das funktioniert, auch wenn so etwa „Davon geht die Welt nicht unter“ ganz zur persönlichen Durchhalte-Parole umgedeutet und die Funktion als Propaganda-Lied der Nationalsozialisten außen vor gelassen wird. Zugegeben, nach eigener Aussage hat sich die Leander nie für Politik interessiert, aber auch diese Einstellung dürfte selbst in einer Hommage mal hinterfragt werden. Zumal sie im Dritten Reich gut verdient hat, wofür sie auch nach Ende des Zweiten Weltkriegs zunächst geächtet wurde. Doch diese Passagen lässt Pagmár weitgehend aus, konzentriert sich anders als in dem Theaterstück „Zarah 47“ ganz auf die Musik. Erst auf die Operetten, Schlager und UFA-Hits, später dann auf die Nummern aus den Musicals, die extra für die Leander geschrieben wurden und die einen nicht unerheblichen Anteil an der wieder aufblühenden Karriere der Diva hatten. Bis sie zum Schluss dann „Adieu“ sagen muss. Und vom Publikum noch einmal mit tosendem Applaus überschüttet wird.

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