„A Love Supreme“: Eine Messe in Jazz

Klang gewordene Spiritualität: So lässt sich John Coltranes Werk vielleicht ansatzweise zusammenfassen. Seine Art des Jazz war und ist für viele ein Erweckungserlebnis, jeder Ton ein Bekenntnis zur Herrlichkeit der Schöpfung. „Ich drückte die Repeat-Taste und blieb wach, um einem Mann zuzuhören, der mit der Gabe seiner Musik Gott gegenübertritt“, hat U2-Frontmann Bono einmal über seine erste Begegnung mit John Coltranes legendärer Suite „A Love Supreme“ gesagt und damit zahlreichen Jazzfans aus der Seele gesprochen. Die Pauluskirche hat nun anlässlich des 50. Todestags des großen Saxofonisten eine Jazzvesper samt anschließendem Konzert gestaltet – und dank exzellenter Musiker eine Messe der besonderen Art zelebrieren können.

Coltranes Stücke sind in der Regel ebenso sehr Offenbarung wie Herausforderung. Ungeheuer dicht, mitunter herrlich melodiös und dann wieder extrem avantgardistisch, neue Pfade erschließend und seinen Glauben in Harmonien und Modi gießend, die ständig im Fluss sind und doch alle nur in eine Richtung streben. Nämlich himmelwärts. Dies setzt Saxofonist Jürgen Hiekel kongenial um: Sein vielseitiges Spiel vermag alle Facetten widerzuspiegeln, kann auch mal kantig werden, bleibt aber in der Regel weich und dabei erstaunlich experimentierfreudig. Gleiches gilt für den virtuosen Oliver Leue am Flügel, während Bassist Ralph Haspel und Drummer Stephan Schneider das rhythmische Fundament liefern.

Während das Quartett sich in der Vesper ausschließlich "A Love Supreme" widmet, stehen im Anschluss die persönlichen Vorlieben der Musiker im Mittelpunkt. Doch auch so führt kein Weg an einigen der größten Hits Coltranes vorbei. „Naima“ erklingt im Andenken an die erste Frau des Jazz-Heiligen, das treibende „Impressions“, das ekstatische „Giant Steps“ – und natürlich auch zwei Songs aus fremder Feder, die Coltrane so wie kein Zweiter interpretiert hat: Duke Ellingtons „In A Sentimental Mood“, das Hiekel traumhaft wiedergibt, sowie „My Favorite Things“. Der perfekte Schlusspunkt für ein beglückendes Konzert.

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