Johann König: Das Sinnbild der Geschmeidigkeit

„Das geht doch besser!“, ruft Johann König gerne mal. Vor allem in Richtung seiner Frau. Ob es nun das Einräumen der Spülmaschine ist oder der Transport von Schmutzwäsche, immer sieht der 44-Jährige Optimierungsbedarf. Nur nicht bei sich selbst. Dabei läuft bei dem selbsternannten Sinnbild der Geschmeidigkeit längst nicht alles rund, wie sein Auftritt in der gut gefüllten Bonner Oper zeigt. Denn das ständige Schwanken zwischen brillant-anarchischem Nonsens und platten Zoten über allerlei Belanglosigkeiten, dass König zu seinem Konzept erklärt hat, sorgt zwar kurzfristig für wieherndes Gelächter, aber nur selten für nachhaltige Unterhaltung. Permanente penetrante Wiederholungen und überflüssige Leerstellen im Pointen-Teppich lassen das Programm mit der „Milchbrötchenrechnung“ vielmehr allzu oft in der Luft hängen – und das würde nun wirklich besser gehen.

Dabei hat König durchaus gute Ideen. Herrlich skurrile Geschichten über Honigbärgemetzel und Bienenschutztruppen, die Jan Philipp Zymny kaum besser erzählen könnte, Familiengeschichten über Zoo-Besuche samt Luftballonmann und Erdmännchen-Königin oder politisch aufgeladene Kommentare über faire Fonds für faire Streubomben besitzen enormes Potenzial. Allein es fehlt an der Form, an Timing und Tempo. König stottert und nuschelt sich letztlich um Kopf und Kragen, dreht sich im Kreis, verrennt sich in banalen Phrasen und lässt ausgerechnet in den autobiographischen Erlebnissen mit seiner „lauffaulen Brut“ als einzige Emotion eine latent aggressive Frustration zu. Dabei könnte gerade an dieser Stelle so viel mehr passieren.

Anderes ist derweil schlichtweg schlecht gemacht. Die Kommentare zu Merkel-Versprechern, fragwürdigen TKKG-Aussagen und zotigen Bibi-Blocksberg-Einspielern („Pusten, Blasen, Eierpampe“) laufen ins Leere, der „Konjunktiv III zum Quadrat“ bei dem Erklärversuch einer Investition in ein Containerschiff lediglich verwirrend und überhaupt nicht lustig, und die musikalische Einlage, mit der König ganz bewusst die Oper entweihen will, eine Tortur. „Wichtig ist, dass es dir gefällt“, soll Quatsch-keine-Oper-Organisatorin Rita Baus mal zu König gesagt haben. Auf diese Weise heißt es wenigstens einer gut. Auch die Tee-Testreihe lässt Witz vermissen, die verschiedenen Sorten genügen nicht einmal mehr für ein müdes Lächeln. Und so bleibt letztlich nichts anderes übrig, als ein bisschen zu warten, bis König wieder Fahrt aufnimmt. Starke Momente kommen schließlich unweigerlich wieder. Und sei es nur, dass er sein Wiedergabe-Gerät einmal augenzwinkernd einsetzt, um kurzerhand seiner eigenen Stimme eine Pause zu gönnen und einen Teil der Show so geschickt als Vollplayback zu inszenieren, dass dieser Kunstgriff zunächst unbemerkt bleibt. Super. Im Gegensatz zu einigen anderen Posten auf der „Milchbrötchenrechnung“ geht das nicht besser.

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