Völkerball: Feuer marsch!

Hauptsache, es brennt! Flammen allerorten! Eine ausufernde Pyrotechnik gehört nun einmal zu einer guten Rammstein-Tribute-Show dazu – und Völkerball will schließlich die beste liefern. Im Brückenforum drehen die Westerwälder also alle Gashähne bis zum Anschlag auf und hüllen die beeindruckende Bühne, die dank großer Elemente einen Fertigungsstraßenflair erhält, ein ums andere Mal in ein Gewand aus Feuer und Nebel. Dazu die auf Stahlarbeiter geschminkte Band mit ihrer Neuen Deutschen Härte, mit stakkatohaften Powerchords, unnachgiebigen Ambossschlägen auf dem Schlagzeug und dem von Rammstein-Sänger Till Lindemann geprägten rollenden R, das auch Völkerball-Frontmann René Anlauff perfekt beherrscht: Fertig ist eine Mischung, die im ausverkauften Saal für unbändige Begeisterung sorgt.

Egal wie man jetzt zu den Rammstein-Songs steht, zu diesen schwarzromantisch geprägten, mit Chiffren, Symbolen und Anspielungen überzogenen pathetischen Ergüssen voller Zerstörung, Blut, Leid, Inzest und Verlangen, lässt sich nicht bestreiten, dass Völkerball musikalisch ihren Vorbildern mehr als gerecht werden. Der hämmernde, brachiale Sound sitzt perfekt, die Effekte sind zwar eine Nummer kleiner, aber dennoch sehenswert. Das Publikum feiert denn auch ekstatisch mit, reckt die Hände in die Höhe oder schmettert zentrale Zeilen in Richtung Bühne. Kein Wunder, schließlich sind auch fast alle großen Hits im Repertoire: Schon zum Auftakt kommt die „Sonne“, kurz darauf heißt es „Feuer frei“ für die schweren Geschütze. Auch inhaltlich. In „Wiener Blut“ wird der Fall von Josef Fritzl thematisiert, in „Mein Teil“ der des Kannibalen von Rotenburg. Daneben Songs wie „Mutter“, „Seemann“, „Mein Herz brennt“, „Amerika“ oder „Du hast“. Auch „Heirate mich“ ertönt, jenes Lied, dessen „Hei Hei Hei“-Rufe als totalitäre Parole missverstanden wurden. Und dann ein emanzipatorischer Schritt von Völkerball: Mit „Radioaktiv“ baut die Band eine eigene Single ein, die sich nahtlos in den Rammstein-Kanon einfügt.

Seltsam ist allerdings ein für harte Rockkonzerte völlig untypischer Schritt: Nach einer guten Stunde samt Schlauchbootfahrt auf den Händen der Massen (eigentlich ein Lackmustest für die gute Laune im Publikum, auf den noch einige Höhepunkte folgen müssen) läutet Völkerball eine Pause ein. Warum auch immer. Für die Stimmung ist dies zunächst tödlich, so dass die Band und vor allem Sänger Anlauff sich im Anschluss sehr bemühen muss, um die Fans wieder auf Betriebstemperatur zu bringen. Geht aber irgendwie. Der massige Klang und die erneut spektakuläre Flammenshow entfalten ihre Sogwirkung, bis wieder alle auf Linie sind, mitgehen, mitsingen, mitmachen. Am Ende gesteht die Menge unverhohlen: „Gott weiß, ich will kein Engel sein.“ Lieber Teil des Rammstein-Fan-Kollektivs. Und das fühlt sich bei Völkerball wie zu Hause.

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