Mario Barth: Suizid-Tauben statt Schmetterlinge

Kennste? Ja! Kenn ick. Beziehung schön, Freundin intellektuell eingeschränkt, kaputt ist auch irgendwas, in diesem Fall sogar sowohl Auto als auch Spülmaschine: Bei den Programmen von Mario Barth ändertn sich zwar der Titel (derzeit „Männer sind schuld, sagen die Frauen“), der Inhalt aber so gut wie nicht. Dennoch zieht der polarisierende Brachialkomiker die Menschen in Massen an, im Juni gelang es ihm sogar, innerhalb von zwei Tagen 116.498 Zuschauer ins Berliner Olympia-Stadion zu locken. Weltrekord. Unglaublich. Aber wahr.

Dagegen ist der Auftritt in Bonn lediglich eine Randnotiz. 5000 Fans füllten den Telekom Dome am Hardtberg, als Barth mit seinem Comedy Train auf die schön gestaltete Bühne fuhr und von der ersten Sekunde an Vollgas gab. Dauerlachen über die Prinzessin, gelegentlich auch „The Brain“ genannt, sowie den Hund Feedback, einen Havaneser mit Psychotherapie-Bedarf. Verwundert nicht wirklich. Ist aber trotzdem komisch.

Man kann über Mario Barth sagen, was man will, über seinen dem Asphalt doch sehr nahen Humor schimpfen und sich fragen, warum ausgerechnet er das Volk erreicht, während herausragende intellektuelle Kabarettisten mühsam an der 100-Besucher-Marke knabbern – doch es besteht kein Zweifel daran, dass der 42-Jährige als Vollprofi eine exzellente Show bietet. Das Timing der Pointen sitzt trotz des extrem hohen Tempos perfekt, die überzeichneten, aber angeblich wahren Geschichten des Alltags sind schlicht und abgedroschen, aber für wirklich jeden verständlich. Eine tiefer gehende Botschaft hat er nicht, braucht er auch nicht. Super-Mario will doch nur spielen. Was mit ein Grund sein könnte, weshalb er so gut ankommt. Weil er nicht belehrt, sondern unterhält. Oft auf RTL-Niveau, etwa wenn er über Blähungen im Flugzeug redet, aber das reicht vielen ja auch. Warum den Geist fordern? Simplizität ist gefragt – und genau die liefert Barth.

Natürlich arbeitet der gelernte Elektriker mit teils hanebüchenen Plattitüden, stilisiert seine Freundin als blondes Dummchen mit aggressiven Tendenzen, nimmt sich aber ab und zu auch selbst auf die Schippe. Bei Feng Shui denkt er an Chuck Norris, bei Ablaufproblemen an eine abstillende Bekannte. Auch nicht der Hellste, wa? Dabei ist es durchaus eine Kunst, diesen Eindruck zu vermitteln, mit quantenflachen Witzen wie ein Schnellfeuergewehr um sich zu schießen und doch zwischendrin einige wirklich hervorragende Pointen über den Seelenzustand seines Hundes oder über die mafiösen Strukturen unter der Berliner Tauben-Population vom Stapel zu lassen.

Im Mittelpunkt des Programms ist und bleibt aber das Verhältnis zwischen Mann und Frau. Inzwischen ist Barth nach eigenem Bekunden seit 16 Jahren mit seiner Perle zusammen. Eine lange Zeit, die ihre Spuren hinterlassen hat. Auf so manchem Autolack, aber auch im Inneren. „Früher waren da Schmetterlinge im Bauch, jetzt sind es Suizid-Tauben“, gesteht er. Für die Zukunft verheißt das nichts Gutes. Oder vielleicht doch, wenn man Fan ist. Denn so ist gesichert, dass es noch viele Streitigkeiten und Missverständnisse bei Barths geben wird. Der Progamm-Zirkus kann also weitergehen. Bereits im November steht die neue Tour an. Mit den hinlänglich bekannten Themen. Damit wird Barth wahrscheinlich wieder die Hallen füllen. Gut muss man das nicht finden. Anerkennen sollte man es dagegen schon. 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0