Dead City Ruins & Green Lung: Harte Saiten

Am zweiten Tag der Crossroads-Jubiläumsausgabe in der Harmonie dreht der WDR Rockpalast die Anlage auf und lädt zum Headbanging ein: Mit den Auftritten von Dead City Ruins und Green Lung stehen stahlharter Rock beziehungsweise opulent-okkultistischer Metal auf dem Programm, mit wilden Gitarren-Riffs, hämmernden Rhythmen und kraftstrotzendem Gesang. Das Stammpublikum des Endenicher Clubs kann damit zum Teil nicht viel anfangen, Fans der härteren Töne kommen dagegen voll auf ihre Kosten. Die Harmonie ist brechend voll, die Stimmung gut – und die Musik? Ist tatsächlich hervorragend. Und wird im Laufe des Abends noch besser.

Den Auftakt machen Dead City Ruins, die für diesen Auftritt freiwillig 30 Stunden Flug auf sich genommen haben, um von Australien nach Deutschland zu kommen. Das geht nur mit ganz viel Leidenschaft, und die ist dem Quintett um den neuen Frontmann Steven Welsh von der ersten Sekunde an anzumerken. Aufwärmen brauchen sich die Jungs nicht, sind sofort auf 180 und rocken, was das Zeug hält. Dass Deep Purple oder auch Led Zeppelin zu den Vorbildern zählen, muss man bei solchen Bands eigentlich nicht mehr extra erwähnen, dazu mischen sich aber auch Einflüsse von Whitesnake und den Rival Sons. Welshs kräftiges Organ passt perfekt dazu, ist kraftvoll, wandlungsfähig und melodisch treffsicher, mal rau und fast in Richtung Sprechgesang tendierend („End of the Line“) und dann wieder volltönend wie Ronnie James Dio. Dazu die starken Soli der beiden Gitarristen Thomas Cain und Sean Blanchard und die treibende Basis von Bassist Thomas Murphy und Nicholas Trajanovski, schon passt alles zusammen. Nur ein bisschen mehr Abwechslung wäre schön gewesen.

Für die sorgt dann aber Green Lung. Die Briten, die Stoner Rock und Heavy Metal a la Black Sabbath mit englischer Folklore und Horrorfilm-Themen verknüpfen, erweisen sich als unglaublich vielschichtige Band, deren thematische Ausrichtung zwar ein wenig aufgesetzt wirkt, deren musikalische Qualitäten aber deshalb nicht in Frage gestellt werden sollten. Selbst in eher trägen Nummern wie „Let the Devil in“ oder „One for Sorrow“ können sie die Spannung halten, um dann bei der epischen Hexen-Hymne „Maxine“ alles rauszuhauen, was sie haben. Und das ist eine Menge, was nicht zuletzt am Talent von Green Lung liegt, geradezu symphonische Kompositionen zu kreieren, über denen sich Sänger Tom Templar mit seiner schneidenden Stimme erhebt. Nach eigenen Aussagen will die Band immerhin nicht weniger als „den definitiven Soundtrack zu dem Folk-Horrorfilm in unseren Köpfen zu schaffen.“ Das dürften sie geschafft haben.


Kommentar schreiben

Kommentare: 0