Cécile Varny & Malia: Ein fast perfekter Abschluss

Die Rahmenbedingungen waren hervorragend, die Künstler grandios, das Publikum zahlreich und restlos zufrieden: Organisator Gregor Gäb vom Festival Musik und Wein im Ahrtal ist mit den vergangenen fünf Tagen seit Fronleichnam im Grunde hochzufrieden. „Alles lief wie am Schnürchen“, sagt er und genießt den feinen Soul-Jazz, der von der Bühne am Rande der Marienthaler Weinberge herüberschwappt. Gerade singt Malia mit ihrer herrlich warmen Stimme und im Spannungsfeld von Rock, Reggae, Afrro-Pop und Soul. Die 45-Jährige wird gerne in einem Atemzug mit Nina Simone und Billy Holiday genannt, hat sich aber in den vergangenen Jahren und definitiv seit ihrem letzten Auftritt in Marienthal, In gewisser Weise gestaltet sie zusammen mit der vor ihr auftretenden Cécile Verny für den musikalischen Höhepunkt des Festivals – aber leider auch den Abend, der am Schlechtesten verkauft ist.

Gregor Gäb ist nicht wirklich überrascht. „Es war leider schon immer so, dass wir uns Jazz-Veranstaltungen nur deshalb leisten können, weil andere Konzerte wie zum Beispiel von Köbes Underground absolut bombig laufen“, sagt er. „Wenn wir nur auf Gewinnmaximierung aus wären, müssten wir nur ein rein kölsches Festival machen und würden wahrscheinlich jeden Abend ausverkauft sein. Aber das ist nicht unser Ansinnen. Wir wollen schließlich Vielfalt ins Ahrtal bringen – und wenn ich Malia so zuhöre, weiß ich, dass wir damit richtig liegen.“ Stimmt. Die Künstlerin mit malawischen Wurzeln ist ein wenig aufgedreht – zu viel Kaffee, vermutet sie lachend –, umschmeichelt aber dennoch gefühlvoll jede Nummer, selbst wenn diese vom Tod handelt („Death“). Dazu kommen groovende Standards a la „I’ve put a Spell on You“, die Malia ebenso eindringlich wie souverän interpretiert. Herrlich.

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Ähnlich gut war der Auftritt von Cécile Verny zwei Stunden zuvor. Die charismatische Jazz-Diva aus Freiburg war noch tiefer im Jazz verwurzelt als Malia und deckte eine bemerkenswerte stilistische Bandbreite ab. Mal nahmen sie und ihre Band dezent auf den Funk Bezug, dann wieder sorgten ein paar Latin-Rhythmen für eine dezente Färbung. Auch ein paar französische Songs hatte Verny im Repertoire, und selbst jene, die dieser Sprache nicht mächtig sind, genossen den lyrischen Klang einer atemberaubenden Stimme, die selbst in den leisesten Momenten nichts von ihrer Kraft und ihrer Spannung einbüßt. Kein Wunder, dass Verny mit stehenden Ovationen bedacht wurde, vor allem nachdem sie gegen Ende einen Großteil des Publikums mit ihrer Leidenschaft angesteckt und zum Tanzen gebracht hatte. Klasse.

Gregor Gäb ist somit zu Recht stolz auf sein kleines Festival oberhalb des Klosters Marienthal. Gleichzeitig ist er froh, dass die fünf Tage jetzt rum sind. „Das ist schon ganz schön anstrengend, vor allem da die Organisation und Durchführung ja neben der regulären Arbeit erfolgt“, sagt er. „Ohne die zahlreichen Förderer, Freunde und Bekannte, die uns unterstützen, könnten wir die Aufgabe nicht stemmen. So aber hat das Festival immer auch eine familiäre Atmosphäre, die alle Beteiligten ebenso wie die Künstler durchaus zu schätzen wissen.“ Im nächsten Jahr soll es auf jeden Fall weitergehen, dann feiert das Festival Musik und Wein im Ahrtal sein 15-jähriges Bestehen. „Die ersten Gespräche mit Bands finden schon statt, irgendwann im Laufe des Sommers können wir sicherlich das Line-Up verkünden“, so Gäb. Mit Sicherheit wird es wieder ein buntes Programm geben – eins, das man sich nicht entgehen lassen sollte.


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